Wenig später erlag der 50-jährige Regierungschef Serbiens seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus.
Der gut aussehende Djindjic war für den Westen eine Art Vorzeigepolitiker des Balkans. Bei der Organisation der Massenproteste gegen den Belgrader Machthaber Slobodan Milosevic, der im Herbst 2000 aus dem Amt gejagt wurde und sich in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten muss, war Djindjic eine der Schlüsselfiguren.

Feinde im eigenen Land
Im Januar 2001 trat Djindjic sein Amt als erster Regierungschef einer nicht-kommunistischen Regierung in Serbien an. Mit ihm, der ein Gegengewicht zu den ultranationalistischen Strömungen bildete, verbanden sich große Hoffnungen, dass er sein Land nach den Kriegen reformieren und Frieden und Demokratie befördern würde.
Aber Djindjic hatte viele Feinde im eigenen Land. Erst im Februar war er nur knapp einem Anschlag entgangen. Seine Regierung stand für eine enge Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal und sorgte maßgeblich mit dafür, dass Milosevic ausgeliefert werden konnte. Dabei überwarf sich Djindjic mit seinem einstigen Weggefährten im Bündnis der Demokratischen Opposition Serbiens (DOS), Vojislav Kostunica, der im September 2000 jugoslawischer Staatschef wurde. Später tat sich Djindjic mit dem reformorientierten Regierungschef von Montenegro zusammen, Milo Djukanovic. Gemeinsam verfolgten die beiden Reformpolitiker das Projekt des neuen Staates Serbien und Montenegro, der am 4. Februar Restjugoslawien als Staat ablöste.
Der schlanke und immer elegant gekleidete Djindjic sprach fließend Deutsch und war immer wieder Gast in zahlreichen deutschen Fernsehsendungen, in denen er sich über die Entwicklung auf dem Balkan äußerte. Seine Gesprächspartner bestach er durch eine Mischung aus Charme, Pragmatismus und rhetorischer Brillanz. Die politischen Freunde erkannten in ihm schon Mitte der 90er-Jahre eine Führungspersönlichkeit nach westlichem Stil, geeignet für den erhofften Umbruch in Belgrad nach der Milosevic-Ära.
So beliebt er im Westen war - bei Umfragen zu seinen Sympathiewerten im eigenen Land lag Djindjic immer deutlich hinter Kostunica. Viele Serben nannten ihn einen Feigling, weil er beim Beginn der Nato-Luftangriffe im Frühjahr 1999 aus Belgrad nach Montenegro floh.

Doktortitel in Konstanz
1952 in Bosanski Samac in der heutigen bosnischen Serbenrepublik geboren, nahm Djindjic Anfang der 70er-Jahre in Belgrad ein Philosophie-Studium auf. 1974 wurde er wegen der Gründung einer antikommunistischen Studentenorganisation mehrere Monate inhaftiert. Wieder in Freiheit, ging Djindjic ins Exil nach Deutschland. An der Universität Konstanz schloss er 1979 eine Doktorarbeit über die Gesellschaftstheorie von Karl Marx ab.
Nach der Rückkehr in die Heimat wurde er zunächst Dozent für Philosophie an der Universität Novi Sad, dann Forscher am Institut für Sozialwissenschaften in Belgrad. 1990 gehörte Djindjic mit Kostunica zu den Gründern der Demokratischen Partei (DS). 1996 wurde er als erster Nichtkommunist zum Bürgermeister von Belgrad gewählt, allerdings bereits ein Jahr später wieder von diesem Posten verdrängt.
Mit den Jahren wuchs Djindjics Abneigung gegenüber Milosevic und dessen Vertrauten. 1997 boykottierte er die serbische Parlamentswahl und kümmerte sich um die Organisation von Straßenprotesten gegen die Belgrader Führung. Als er sein Amt als serbischer Regierungschef im Januar 2001 angetreten hatte, sagte Djindjic, er wolle sein Land in die Europäische Union (EU) führen - "spätestens in zehn Jahren."