Am Anfang war das Nichts. Genau das hatten sich Dr. Werner Gerwin und seine Mitstreiter von der BTU von der 450 mal 150 Meter großen Fläche im Tagebau Welzow-Süd erhofft. Auf einer geschütteten Ton- und einer Sandschicht soll sich in den kommenden Jahren ein Ökosystem entwickeln. Wie vor mehr als 10 000 Jahren, als die letzte Eiszeit auch die Lausitz größtenteils bedeckte. Der Unterschied ist jedoch, dass das Forschungszentrum Landschaftsentwicklung und Bergbaulandschaften jede Entwicklung genau protokolliert. Viele Mess-Sonden, Bodenschächte und Pegelrohre sorgen dafür, dass den Forschern nichts entgeht.

Für den Präsidenten der BTU, Professor Walter Ch. Zimmerli, ist dieses Projekt ein Glücksfall. „Es ist, als könnten wir dem lieben Gott bei der Schöpfung zusehen“, betont er. Dafür biete die Lausitzer Bergbaufolgelandschaft ideale Bedingungen. Ein solches „Reallabor“, wie es die Experten der Cottbuser Universität in den Weiten des Tagebaus vorfinden, ist nach ihren Angaben zurzeit weltweit einzigartig. Das macht den BTU-Präsidenten stolz: „Inzwischen hat ein regelrechter Wissenschaftstourismus eingesetzt“, sagt er. Universitäten aus der gesamten Welt würden sich im Spree-Neiße-Kreis über die Entwicklung des „Hühnerwasser“-Projekts informieren. Zwei Universitäten, die Technische Universität München und die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich – zwei renommierte Häuser – seien Juniorpartner bei der kleineren Cottbuser Uni.

Auch für den Energieproduzenten Vattenfall, dem die Fläche gehört, ist dieses Thema Neuland. „Hier sind verschiedene Welten zusammengekommen“, so Dr. Hartmut Zeiß, Vorstandsmitglied von Vattenfall Mining Europe. Für sein Unternehmen sei es bei der Rekultivierung bislang nur darum gegangen, die Flächen schnellstmöglich wieder zurückgeben zu können. „Nun müssen auch wir Bergleute mal die Füße stillhalten und warten“, sagt er.

Im Jahr 2004 war mit den Bauarbeiten im Bereich der künftigen Quelle des Baches Hühnerwasser begonnen worden. Seit 2005 beobachten die BTU-Fachleute, was auf dem Areal vorgeht. „Für uns ist natürlich hochspannend, zu sehen, wie sich ein Ökosystem entwickelt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen“, betont Werner Gerwin. Ziel ist es, das Hühnerwasser wieder neu entstehen zu lassen. Der Bachlauf war in den 80er-Jahre im Zug des Tagebauaufschlusses zerstört worden. Die Quelle soll in der Nähe des früheren Radeweise stehen, das Ende der 80er-Jahren ebenfalls abgebaggert worden war.

Bis 2011 steht der BTU eine Summe von rund 5,5 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung, um die Forschungen weiterzuführen. An einem Verlängerungsantrag wird zurzeit gearbeitet, so Walter Ch. Zimmerli. Er soll Ende kommenden Jahres gestellt werden und die Forschung bis über das Jahr 2015 hinaus finanziell absichern. Im Rahmen der Aktion „365 Orte im Land der Ideen“ hat die 18-köpfige Jury 365 ausgewählt. 85 sind in Berlin (45), Brandenburg (15) und Sachsen (25) beheimatet. Sieben stammen aus der Lausitz – davon fünf aus der sächsischen.

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“, seit 2006 aktiv, will nach eigenen Angaben die Stärken des Standortes Deutschland betonen und wesentliche Eigenschaften der Deutschen widerspiegeln: Einfallsreichtum, schöpferische Leidenschaft und visionäres Denken.

Im vergangenen Jahr sind laut Veranstalter mehr als 2000 Bewerbungen eingegangen. Die Jury unter Vorsitz von Professor Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sowie Prof. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, haben die Sieger in sieben Kategorien ausgewählt. Eig. Ber/skl