82,2 Prozent Zustimmung ergab die Auszählung des Mitgliederentscheids am Sonntagnachmittag. Einer Regierungsbildung mit der Wahlgewinnerin CDU steht nun knapp zweieinhalb Monate nach der Landtagswahl nichts mehr im Weg.

Sachsens Union selbst hatte bereits am Freitagabend auf einem Sonderparteitag grünes Licht zum Koalitionsvertrag gegeben. Bei nur zwei Enthaltungen fand das schwarz-rote Projekt - wie zuvor erwartet - eine deutliche Mehrheit unter den CDU-Delegierten. "Was für ein starkes Signal", sagte SPD-Chef Martin Dulig. "Mit diesem Votum können wir das nächste Kapitel in der Geschichte der sächsischen SPD aufschlagen."

Mit den Unterschriften von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und SPD-Chef Martin Dulig wird am heutigen Montag das Vertragswerk amtlich. Dann werden beide Seiten auch bekannt geben, wie sie die Ressorts für die kommenden fünf Jahre aufgeteilt haben. Am Mittwoch tritt der neugewählte Landtag zum zweiten Mal zusammen - wichtigster Tagesordnungspunkt ist die Wahl des Chefs der neuen Regierung. Der wird allerhöchstwahrscheinlich wieder Stanislaw Tillich heißen.

"Jetzt geht es an die gemeinsame Arbeit", twitterte SPD-Generalsekretär Dirk Panter nach der Auszählung. Mit ihrer Entscheidung, nach Vorbild der schwarz-roten Koalitionsbildung im Bund 2013 ihre Mitglieder zu befragen, haben die Sozialdemokraten die entscheidende Hürde vor die Regierungsbildung gestellt. Durchaus ein Risiko, denn nicht wenige Genossen hadern noch mit der ersten schwarz-rote Koalition, die 2005 infolge eines historisch tiefen Wahlergebnisses notgedrungen zustande kam. Auch das Desaster der FDP macht nicht gerade Mut. Die ging 2009 mit gloriosen zehn Prozent in die Koalition mit der CDU - und kam bei der Wahl am 31. August mit 3,8 Prozent wieder heraus.

Um den Mitgliederentscheid nicht zu gefährden, hatte die SPD im Vorhinein jede offene Personaldiskussion vermieden - die Inhalte sollten entscheiden, nicht Ministerien oder Köpfe. Über Letztere wird indes eifrig spekuliert. Wahrscheinlich ist, dass neben den beiden Parteichefs die Generalsekretäre führende Rollen in der neuen Regierung übernehmen werden. SPD-General Panter hat sich in den Verhandlungen als Organisator und als Finanzfachmann profiliert. Er ist als Finanzminister gut denkbar. Sein Gegenpart Michael Kretschmer (CDU) ist der derzeit wahrscheinlichste Nachfolger für den 55-jährigen Regierungs- und Parteichef Tillich. Über einen Ministerposten könnte sich der 39-jährige Kretschmer innerhalb der kommenden fünf Jahre leitungsfest machen.

Als sicher gilt, dass die SPD im neuen Kabinett zwei Stühle besetzt. Wenig Ambitionen haben beide Seiten auf die Justiz - die ist ein ruhig laufender Verwaltungsbetrieb, solange nichts schief geht. Und damit für Politaufsteiger wenig attraktiv. Infrage kommen die beiden Dresdner Juristen Christian Piwarz (CDU) und Christian Avenarius (SPD). Fraglich ist, ob Markus Ulbig (CDU) als Innenminister an Bord bleibt - oder ob er wieder in die Kommunalpolitik wechselt. Als Ulbigs Nachfolger steht der Dresdner CDU-Landtagsabgeordnete Christian Hartmann bereit. Der 40-Jährige, von Haus aus Polizist, könnte das Kernthema des Wahlkampfs, die innere Sicherheit, ordentlich verkörpern.

Kommentar: Das Beste aus 12,4 Prozent