Rund ein halbes Jahr vor den Kongresswahlen ist er mit einem Wert von nur noch 32 Prozent am bisherigen demoskopischen Tiefpunkt angekommen. Selbst Bush grundsätzlich wohlgesonnene Kommentatoren mosern immer lauter. Einer von ihnen ist der Starmoderator Tony Snow vom rechten Sender Fox News, der dem Präsidenten vorwirft, sich nicht energisch genug gegen seine Kritiker von links zur Wehr zu setzen. Die Botschaft ist bei Bush angekommen - er ernannte Snow nun zu seinem neuen Pressesprecher.

Präsent an konservative Basis
Bush ist sich bewusst, dass er sich mit dem Vollblutjournalisten keinen bequemen Mitarbeiter an die Seite holt. "Er hat keine Angst, seine eigenen Ansichten zu artikulieren", sagte der Präsident bei der Vorstellung des Nachfolgers von Scott McClellan, der vergangene Woche im Zuge eines größeren Personalumbaus im Weißen Haus seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Die Ernennung Snows ist nicht zuletzt ein Geschenk an die konservative Basis des Präsidenten, die es zu mobilisieren gilt, damit die Republikaner bei der Wahl im November ihre Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus verteidigen können. Snow soll mit seinen intimen Kenntnissen des Medienbetriebs zugleich dafür sorgen, dass allgemein wieder freundlicher über Bush berichtet wird.
Der unglückliche McClellan kam oft schmallippig und verstockt herüber. Auf die bohrenden Fragen des Pressekorps im Weißen Haus wusste er häufig nur zu reagieren, indem er Floskeln abspulte. Von Snow erhofft sich Bush einen gewandteren Auftritt. Die Erwartung sei, dass er seine langjährige Fernseherfahrung zu nutzen verstehe, um in den regelmäßig von den Nachrichtensendern übertragenen Pressebriefings die Anliegen des Präsidenten richtig zu vermitteln, sagte ein Regierungsmitarbeiter der "New York Times".
Snow soll sich ausbedungen haben, dass er Zugang zum innersten Zirkel im Weißen Haus erhält - darin liegt für ihn wohl auch die Faszination der neuen Aufgabe. In Kauf nehmen muss der 50-Jährige dafür, dass er seinem bekannt hitzigen Temperament nicht mehr so freien Lauf lassen kann wie bisher. Seine kritischen Äußerungen über Bush sind schon jetzt ein gefundenes Fressen für die Opposition. Snow, der zuletzt neben TV-Nachrichten auch eine Talkshow im Radio moderierte, hat die Außenpolitik des Präsidenten zwar als "brillant" gerühmt, die Innenpolitik jedoch als schlapp bemängelt. Kritisiert hat er Bush unter anderem dafür, zu wenig gegen das ausgeuferte Haushaltsdefizit unternommen und bei der Rentenreform zu schnell zurückgesteckt zu haben. Der Vater von drei Kindern studierte Philosophie und Wirtschaft und arbeitete viele Jahre hinweg bei unter schiedlichen Zeitungen, darunter der erzkonservativen "Washington Times". Anfang der Neunzigerjahre wurde er von Präsident George Bush senior engagiert, zunächst als Reden schreiber, dann als Medienexperte. Dem zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehörenden Sender Fox News trat er 1996 bei. Bevor er sich jetzt für seinen neuen Job im Weißen Haus entschied, ließ sich Snow erst grünes Licht von seinen Ärzten geben: Erst vergangenes Jahr hatte er eine Operation wegen Darmkrebs überstanden.

Offensives Auftreten erwartet
Von Snow ist zu erwarten, dass er einerseits die Regierungspolitik sehr offensiv vertreten wird. Denn er hat es als Manko ausgemacht, dass Bush - weil er es für "unter seiner Würde" halte - sich einer Auseinandersetzung mit der Presse und dem politischen Gegner verweigere. Auf der anderen Seite strebt Snow einen kooperativen Umgang mit den Medien an. Dabei könnte ihm helfen, dass er durchaus selbstironisch sein kann. Das Einzige, was "noch peinlicher" sei als seine früheren Kommentare über Bush, seien seine musikalischen Versuche, sagte er - der neue Sprecher spielt Flöte, Saxofon und Gitarre.