Nach Condoleezza Rice und Hillary Clinton steht damit erstmals wieder ein Mann an der Spitze des State Department.

Mit den Initialen JFK schien die Politikkarriere vorbestimmt zu sein. Wie sein Vorbild John F. Kennedy wollte der drahtige Ostküsten-Katholik John Forbes Kerry ins Weiße Haus einziehen. Dass es im Wahlkampf 2004 gegen George W. Bush nicht reichte, lag auch am elitären und mitunter steifen Auftreten des 1,93 Meter großen Diplomatensohns mit dem markanten Kinn. Kerry ist zudem einer der reichsten Kongressabgeordneten.

In der zweiten Reihe der US-Politik gehört Kerry seit Jahrzehnten zu den profilierten Außenpolitikern. Er gilt als erklärter Israel-Freund. Zu seinen wichtigsten Herausforderungen zählt der neue Außenminister die Wirtschaftspolitik. Kerry hat nicht zuletzt mit schwierigen Missionen in Afghanistan und Pakistan Vertrauen gewonnen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses war der erste US-Politiker, der Ägyptens neu gewählten Präsidenten Mohammed Mursi traf.

Die Eloquenz des Diplomatensohns, der seinen Schliff auf einer Privatschule in der Schweiz und an der Elite-Uni Yale bekam, ist legendär. Ein volksnaher Politiker ist der Vater zweier Töchter aber bis heute nicht. Dass der Freund edler Rotweine im Wahlkampf 2004 bekannte, mit seiner zweiten Frau, der Millionärin und Ketchup-Erbin Teresa Heinz, auch mal auf Französisch zu parlieren, war vielen US-Patrioten nicht geheuer.

Empfindlich reagierte der Hobbypilot und Gitarrenspieler 2004 auf Behauptungen, er habe sich als mehrfach verwundeter Soldat in Vietnam hohe Kriegsorden erschlichen. Kerry ließ die Vorwürfe durch Kameraden von einst widerlegen. Im Gegensatz zu Präsident Obama lassen sich in Kerrys Biografie viele Anknüpfungspunkte mit Europa finden. Sein Vater war als US-Diplomat auch in Berlin tätig, das der 1943 geborene Kerry in der Nachkriegszeit mit dem Fahrrad erkundete.