100 Millionen Euro Umsatz macht es jährlich. Problematisch wurde zuletzt nur der Einkauf. Denn an den Börsen herrschen stürmische Zeiten, und die Währungen schwanken unberechenbar.

Vor einem Jahr ging der Fleischlieferant dann einen Weg, den bislang vor allem große Unternehmen eingeschlagen haben: Er begann, zur Absicherung Instrumente der Finanzwirtschaft zu nutzen, sogenannte Termingeschäfte. „Die Absicherung wird immer wichtiger, weil sich die Kurse fernab jeder realen Entwicklung der Wirtschaft bewegen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Patrick Zimmermann.

Doch mehr als die Hälfte der Mittelständler unternimmt nichts, um die Währungsrisiken zu minimieren, hat die Einkaufsberatung für den Mittelstand, Kloepfel Consulting, in einer Umfrage herausgefunden. 56 Prozent der befragten Manager gaben an, dass sie keine Zins- und Devisenrisiken absichern.

Existenzen bedroht

Geschäftsführer Marc Kloepfel berichtet von dem Beispiel eines Schweizer Kunden. Dieser exportiere fast nur ins Ausland, kaufe aber zu 60 Prozent in der Schweiz ein. Als der Franken immer teurer wurde und fast die Parität mit dem Euro erreichte, wurde es sogar existenziell bedrohlich für das Unternehmen, berichtet Kloepfel.

Ein wichtiger Schritt zur Absicherung sei deshalb, den Einkauf auch in den Raum zu verlegen, in dem ein Großteil der Produkte abgesetzt wird. Zudem sollten Firmen versuchen, ihre Waren in Euro zu verkaufen und nicht in der jeweiligen Lokalwährung, empfiehlt der Experte. Das mache selbst dann Sinn, wenn es zwei bis drei Prozent mehr kostet.

Zusätzlich empfiehlt seine Beratungsgesellschaft die Absicherung über Termingeschäfte, wie es die Firma Fresh Foods jetzt macht. „Die Währungsschwankungen sind im Moment so stark wie selten zuvor“, sagt er. Das müsse über eine Bank abgesichert werden. „Das kostet natürlich“, sagt Kloepfel. Die Kosten variieren je nach Laufzeit, Höhe und Art der Absicherung.

Plus-Minus-Null-Geschäft

Bei Fresh Food Services läuft das so: Die Firma legt mit einem Kunden einen festen Preis für die Ware fest. Das gibt Planungssicherheit. Allerdings besteht die Gefahr, dass durch einen unvorteilhaften Wechselkurs Geld verloren geht. Also macht die Firma parallel ein Termingeschäft an den Finanzmärkten. Bei dem sogenannten Hedge wird von Fresh Food Services ein vorher festgelegter Betrag, meist in der Höhe des Warengeschäfts, in US-Dollar gekauft. Der Zeitpunkt in der Zukunft und der Kurs sind festgelegt.

„An dem Tag, an dem das Termin- und das Warengeschäft aufgelöst werden, ist es eigentlich üblich, dass sich ein Plus-Minus-Null-Geschäft ergibt“, sagt Zimmermann. „Somit haben wir auch Planungssicherheit auf der Einkaufsseite.“ Bisher sei alles gut gegangen, versichert Zimmermann.

Bei größeren Unternehmen gehört die Absicherung schon lange dazu. Porsche etwa sichert für die wichtigen Währungen wie US-Dollar oder Yen ab. Die Sicherungen reichen einem Sprecher zufolge bis in die Jahre 2014 und 2015. „Da wissen Sie, was Sie dann in der Kasse haben“, nennt er als Vorteil.

Zum Thema:

Hintergrund Zum Absichern von Geschäftsrisiken ist Hedging (absichern) ein gängiges Instrument geworden. Dazu gibt es verschiedene Modelle. Optionen etwa sind börsengehandelte Termingeschäfte, die dem Käufer die Möglichkeit geben, einen bestimmten Wert zu kau fen oder zu verkaufen. Futures funktionieren eigentlich wie Optionen. Der Unterschied ist nur, dass für beide Vertragsseiten die Pflicht besteht, das Future-Geschäft auch wahrzunehmen. Forwards werden außerbörslich über Banken gehandelt. Der Vorteil ist, dass die Vertragsbestandteile wie Dauer, Preis, etc., individuell ausgehandelt werden können. Bei Natural Hedging verlagert das Unternehmen die Produktion in die Länder, in denen auch der Absatz ist. So vermeiden sie Geschäfte über Ländergrenzen hinweg und damit auch Wechselkursrisiken.