Dem Mann bläst der Wind ins Gesicht. "Wir sind derzeit erst 60 Tage im Amt", beginnt er seine Pressekonferenz im Weißen Haus - das klingt fast wie eine Entschuldigung.Ernst und angespannt gibt sich Obama an diesem Dienstagabend (Ortszeit). Er ist härter, kühler geworden. "Obama zeigt kaum Emotionen, reißt kaum einen Witz", registriert die "New York Times" penibel. Keine Frage: Der Präsident steht unter verschärfter Beobachtung, die Schonfrist ist vorbei - von nun an erwarten die Amerikaner Ergebnisse.Sprachloser PräsidentEigentlich hätte der Auftritt vor der Presse zur besten TV-Abendzeit ein Heimspiel werden sollen, stattdessen werden Millionen Zuschauer Zeuge, wie ihr Präsident beinahe die Fassung verliert. Es geschah, als ein Reporter fragte, warum Obama denn erst so spät auf die Millionen-Boni für den Versicherer AIG reagiert habe. Für eine Sekunde scheint Obama sprachlos, seine Gesichtszüge verhärten sich. Dann presst er hervor: "Es hat ein paar Tage gebraucht, weil ich es mag, wenn ich Bescheid weiß, worüber ich rede." Selbst in schärfsten Wahlkampfzeiten hat sich Obama nicht zu einer solchen brüsken Antwort hinreißen lassen.Obama versucht einen Balanceakt, der zusehends schwieriger wird. Immer wieder schwört er an diesem Abend die Amerikaner auf harte Zeiten ein, spricht von "historischer Krise", die sich nicht über Nacht lösen lässt, bittet um Zeit und Geduld. Zugleich versucht er aber auch, Optimismus zu verbreiten, den Amerikanern Mut zu machen. "Wir werden uns von der Rezession erholen", erste Anzeichen seien bereits sichtbar. Wie die "Doppelstrategie" auf die Amerikaner wirkt, wie lange sie Geduld zeigen, ist offen.Zweifel am EtatTatsächlich hat der Streit um die richtige Strategie für einen Ausweg aus der Krise erst begonnen. Selbst unter Demokraten werden die Zweifel an Obamas Etat von 3,6 Billionen Dollar (rund 2,6 Billionen Euro) immer größer. Immer wieder betont Obama, ohne die Ausgaben und Investitionen in Bildung, Gesundheit und grüne Energie sei kein gesundes langfristiges Wachstum zu erzielen. Doch im Parlament sind die Demokraten bereits dabei, Obamas Wahlversprechen einer Steuersenkung für die Mittelklasse infrage zu stellen. Die Republikaner sprechen gar angesichts der Ausgabensteigerung von einer Strategie, "die die Krise nur noch schlimmer macht". Die Schlacht um den Etat steht erst noch bevor, sie dürfte hart werden - und entscheidend für das politische Schicksal Obamas.