Frederic Duvinage gibt offen zu, dass ihm ein IBA-Projekt in der Lausitz nach dem Braunkohlebergau "als Bild besonders im Gedächtnis haften bleiben wird: die Biotürme von Lauchhammer". Natürlich sei die Förderbrücke F 60 ein Erlebnis gewesen. "Aber die Biotürme haben es mir sofort angetan." Das Warum, lasse sich am ehesten mit "Liebe auf den ersten Blick" erklären.

Vor allem Strukturen kennenlernen
Dem Verwaltungsbeamten, der zuvor bereits mit den IBA-"Vätern" von Berlin, Hamburg, Aachen und Köln Kontakt aufgenommen und die Regionen besucht hatte, geht es aber gar nicht um konkrete Projekte. Er will Ideen sammeln, um die erste grenzüberschreitende IBA zum Laufen zu bringen (die RUNDSCHAU berichtete). "Projekte werden bei uns von einem internationalen Experten-Gremium entwickelt", erläutert Duvinage. "Doch bis dahin ist es noch etwas Zeit. Mir geht es hier um das Kennenlernen von Strukturen, die letztendlich Qualität sicherstellen helfen."
Vom Chef der IBA Fürst-Pückler-Land, Prof. Rolf Kuhn, hat der Baseler viel über den Kontakt zu den Akteuren vor Ort gehört. Über die Diskussion mit Landräten, Bürgermeistern, den Einwohnern auf Bürgerforen "Projekte müssen in der Region volle Akzeptanz finden", verweist Kuhn auf ein einfaches und doch so wesentliches Erfolgsrezept, das er dem Schweizer mit auf den Weg geben konnte.
Der Vorkämpfer für die Baseler IBA nimmt aus der Lausitz aber auch mit, dass es um ein neues Denken bei Verantwortungsträgern geht. "Auch wir brauchen Innovation in der Verwaltung, die durch eine IBA befördert werden soll", sagt Duvinage. So laute das Leitmotiv der Baseler IBA "Zusammenwachsen - zusammen wachsen". Der Ballungsraum Basel, der zwischen französischer und deutscher Grenze aus allen Nähten platze, habe nur die Chance der Zusammenarbeit über Ländergrenzen. Und dennoch werde nach Duvinages Einschätzung nicht über den eigenen Kirchturm hinaus gedacht. "Dieses Denken müssen wir aufbrechen. Die Barrieren, die die politischen Grenzen errichtet haben, müssen beseitigt werden", schildert der IBA-Vorreiter ein bedeutendes Ziel für den trinationalen Eurodestrict seinem Weg ins 21. Jahrhundert.

Rheinufer attraktiver gestalten
Frederic Duvinage nennt letztlich ein konkretes Beispiel, was zum IBA-Projekt für Basel werden soll. Der aus Frankreich kommende Rhein sei trotz einer attraktiven Insel und eines Hafens vor der Stadt in seinem Flusslauf bis ins badische Rheinfelden nur in Basel-City attraktiv für Besucher. "Den gesamten Abschnitt mit Wander- und Fahrradwegen sowie Brücken zu vereinen und bestehende Attraktionen am Ufer einzubeziehen - das war bisher mit drei in ihren Grenzen denkenden Verwaltungen beinahe unmöglich", erläutert Duvinage. Nachdem er und IBA-Chef Kuhn 40 Kilometer vom Ilse-, über den Sedlitzer zum Senftenberger See geradelt sind, sagt der Baseler IBA-Vordenker beeindruckt: "Das muss jetzt bei uns auch werden."