Sie gehörten zu rund 3000 palästinensischen Opfern eines Massakers, das von Israel unterstützte, christliche libanesische Milizen begangen hatten. Am 16. September 1982 und den folgenden beiden Tagen zogen die Freischärler mordend durch die Flüchtlingslager Sabra und Schatila.
"Es war ein schwarzer Tag für uns Palästinenser", erinnert sich Abu Dschamal. Er überlebte das Blutbad in einem Teil des Lagers, der von den Mördern nicht erreicht wurde. Das Massaker markierte einen Tiefpunkt im opferreichen libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990), in dem in wechselnden Allianzen sunnitische, drusische, schiitische, christliche und palästinensische Milizen einander bekämpften. Israel hatte mit seinen Streitkräften zwischen 1982 und 1985 aktiv eingegriffen. Hunderttausende Palästinenser hatte es nach Gründung des Staates Israel als Flüchtlinge in den Libanon verschlagen. Während der Zedernstaat im Bürgerkrieg versank, setzte sich in vielen Lagern die Palästinensische Befreiungs-Organisation (PLO) von Jassir Arafat fest. Als Israel im Juni 1982 im Libanon einmarschierte, wollte es zusammen mit der verbündeten christlichen Phalange-Miliz die PL O von dort vertreiben.
Das Massaker von Sabra und Schatila war allerdings nach Erkenntnissen von Historikern nicht wirklich auf die Präsenz palästinensischer Freischärler in den Flüchtlingslagern zurückzuführen. Vielmehr war es ein Racheexzess der christlichen Milizen als Antwort auf die Ermordung von Baschir Gemayel durch einen syrischen Geheimagenten am 14. September 1982. Der Christ Gemayel war erst drei Wochen zuvor zum Präsidenten gewählt worden - "mit Hilfe israelischer Bajonette und Geldmittel" wie der israelische Historiker Benny Morris schrieb. Unter dem Kommando des späteren Ministerpräsidenten Ariel Scharon marschierten israelische Truppen in West-Beirut ein. Am 15. September umstellten sie dabei auch die im Westen der libanesischen Hauptstadt Beirut gelegenen Flüchtlingslager Sabra und Schatila. Das sinnlose Gemetzel steht seitdem für die Gräuel des libanesischen Bürgerkriegs. Es belastete aber auch Israels Ansehen. Mindestens 300 000 Menschen gingen in Tel Aviv auf die Straße, um ihre Abscheu zu bekunden. Eine israelische Regierungskommission stellte fest, dass Israel und Truppenkommandeur Scharon eine "indirekte Verantwortung" trugen. Der damalige Verteidigungsminister musste zurücktreten.
Der bullige Ex-General spielte aber weiter in der Politik eine Rolle und wurde 2001 zum Ministerpräsidenten gewählt. Sein Vorgänger Ehud Barak hatte im Jahr zuvor Israels militärisches Engagement im Libanon beendet. Scharon fiel Anfang Januar 2006 nach einem Schlaganfall in ein Koma, das bis heute andauert. Der Zedernstaat erlebte nach Ende des Bürgerkriegs 1990 eine hoffnungsvolle Phase des Wiederaufbaus. Die politische Entwicklung dagegen wird eher von dunklen Wolken bestimmt.
Noch hat der Krieg mit über 1000 Toten, den Israel vor einem Jahr gegen die radikal-schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon führte, seine Nachwirkungen. Dann setzte sich im Frühjahr eine extremistische Palästinenser-Miliz im Flüchtlingslager Nahr al-Bared bei Tripoli fest. Erst kürzlich rieb die libanesische Regierungsarmee die Al-Qaida-nahe Gruppe auf - mit über 400 Toten.
Abu Dschamal sieht nach diesem jüngsten Kleinkrieg für sich und seine palästinensischen Mitflüchtlinge keine Zukunft mehr. "Jetzt hassen uns die Libanesen wieder umso mehr", sagt er bitter.