"Es war überwältigend für mich, das Potenzial des Gebäudes zu sehen", beschreibt der 59-jährige Res taurator seine Gefühle, als er nach der Wende das verfallene Schloss betrat. Unter Hieronymus von Dieskau (1565-1625) als dreigeschossige Renaissance-Anlage gebaut, gilt es unter Fachleuten bis heute als eines der bedeutendsten Schlösser dieser Zeit, das zugleich mehrere Kunstepochen vereint.
"Diese Puppenstubenhaftigkeit, das ist etwas Außergewöhnliches", schwärmt von Rauchhaupt. "Es ist aber unvorstellbar, in welch verwahrlostem Zustand das Schloss war." Vor rund zehn Jahren habe er es von der Kommune und ein angrenzendes Wohnhaus von der Treuhandanstalt erworben. "Weil meine Familie ursprünglich aus der Region stammt." Ihre Wurzeln reichten bis ins 15. Jahrhundert zurück.

Nur Hotels funktioniert nicht
An der Raumgestaltung des Schlosses wirkte einstmals auch der Baumeister des Brandenburger Tores, Carl Gotthard Langhans (1732-1808) mit. Für von Rauchhaupt soll Schloss Dieskau eine "Nische" sein, durchaus auch mit Gastronomie. "Aber man kann nicht alle Schlösser einfach nur zu Hotels machen, das funktioniert nicht." Vielmehr sei es der kunsthistorische Wert des Ensembles, das zum Beispiel für Ausstellungen genutzt werden soll. Und der Schlosshof könnte sich für die Aufführung von Theaterstücken und andere Veranstaltungen eignen, findet Ehefrau Heidrun.
"Man geht von Raum zu Raum und kommt dabei immer in ein anderes Jahrhundert", schwärmt von Rauchhaupt von dem alten Gemäuer, das auch über ein gotisches Zimmer verfüge. "Einzigartig" ist für ihn ein Raum, wo eine Renaissance-Stuckdecke biblische Motive zeigt. In einem anderen wiederum wurde zu DDR-Zeiten, während der das Schloss als Schule diente, Chemie unterrichtet.
Bis 1997 habe er mit seiner Familie in seiner Geburtsstadt Aschaffenburg gelebt und in seinem Beruf gearbeitet. "Wir brauchten mehr Platz", nennt seine Ehefrau als einen Grund für den Umzug der Familie von Bayern nach Sachsen-Anhalt. Zu ihr gehören drei Söhne und eine Tochter im Alter von 16 bis 20 Jahren. "Wir empfinden das alles hier als sehr romantisch, interessant - dass hier nicht alles so glatt ist."
"Immerhin zwei Drittel des Schlosses sind in der kurzen Zeit schon als Rohbau gesichert wurden, kostbare Bausubstanz vor dem weiteren Verlust gerettet worden", berichtet Restaurator von Rauchhaupt. Ein Gewölbe und Räumlichkeiten können für Feiern genutzt werden. Dies sei eine wichtige finanzielle Stütze im Familienbudget. "Um so ein Gebäude erhalten zu können, muss man die Fördermöglichkeiten in Deutschland nutzen, und vor allem überall selbst mit Hand anlegen."

Schloss, Schule, FDJ-Zentrum
Ein Schild am Eingang des Gebäudekomplexes weist darauf hin, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Bund, das Land und der Kreis die Sanierung unterstützen. Bis 1945 im Besitz der Familie von Bülow, diente Schloss Dieskau den Angaben zufolge von 1950 bis Anfang der 80er-Jahre als Schule. Danach begann die Freie Deutsche Jugend (FDJ) damit, es zu einem Schulungszentrum umzubauen. Nach der Wende bot die Kommune schließlich das Schloss zum Kauf an.
Der angrenzende 67 Hektar große Park zählt nicht zum Besitz der Rauchhaupts. 1778 nach dem Vorbild des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches angelegt, wird er heute mithilfe eines Vereins gepflegt. Das "kleine Kunstwerk" solle schrittweise wieder in seinen Originalzustand versetzt werden, sagt Heike Mortell vom Landesamt für Denkmalpflege in Halle.