Von einem solchen Karrieresprung hatte Frank-Jürgen Weise wohl selbst vor einigen Wochen kaum zu träumen gewagt. Bei seinem Wechsel vor knapp zwei Jahren nach Nürnberg schien sein Schicksal als ewige Nummer zwei in der Bundesagentur für Arbeit (BA) unabwendbar vorgezeichnet. Die vorzeitige Ablösung von Florian Gerster katapultierte den 52 Jahre alten Familienvater nun innerhalb von nicht einmal zwei Wochen an die Spitze der Behörde.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) schien keine überzeugende Alternative zu Weise aufbieten zu können. Darauf komme es an, hatte er vor zwei Wochen gesagt. Schon früh hatte Clement dafür plädiert, einen "Manager" zu berufen und keinen Politiker. Vielleicht kam deshalb auch der Bremer Bürgermeister Henning Scherf (SPD) nicht zum Zuge, der einer der alternativen Personalvorschläge gewesen ist.
Aus den politischen Schlagzeilen sollte die BA herausgebracht und wohl auch ein Zeichen der Zeiten- und Imagewende gesetzt werden: weg von der behäbigen Behörde hin zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder wollte dabei - wie inzwischen bekannt geworden ist - noch einen Schritt weiter gehen. Die Überlegungen gingen in Richtung eines Aufsichtsrates mit erweiterten Rechten und eines Präsidiums mit Clement und den Vorsitzenden des DGB und der Arbeitgeberverbände. Der Vorstoß, der etwa bei der FDP in Berlin als "Misstrauensvotum" gegen die Verwaltungsratsvorsitzende Ursula Engelen-Kefer gewertet wird, scheiterte aber an Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, der aus Zeitgründen absagte.
Für manche, die sich eine externe Lösung gewünscht hätten, ist Weise eher ein Verlegenheitskandidat - auch wenn der Kanzler ihm jetzt ausdrücklich den Rücken stärkt. Die verkrusteten Strukturen in der BA blieben unverändert, bedauern die Kritiker.
Immerhin rückt mit dem in Radebeul bei Dresden geborenen Weise jetzt ein Mann an die Spitze der Behörde, der in vielerlei Hinsicht das Gegenbild von Gerster ist. Viele Mitarbeiter finden in Weise die menschlichen Führungsqualitäten wieder, die sie seit dem Fall von BA-Präsident Bernhard Jagoda so schmerzlich vermissten.
Was für seine Berufung aber vielleicht mit am wichtigsten war: Weise ist keiner, der die Spitzenposition in Nürnberg nur als Sprungbrett für eine Berliner Ministerkarriere betrachtet. "Ich bin keiner Karriere mehr verpflichtet, sondern nur der Sache", hatte er vor zwei Jahren erklärt. Für die "Herausforderung, Deutschlands größte Behörde zu reformieren", nahm er auch geringeres Einkommen in Kauf. Als Mitinhaber des Dienstleistungsunternehmens Microlog Logistics AG habe er finanziell ausgesorgt, heißt es.
Innerhalb der Bundesagentur gilt Weise als der eigentliche Reformmotor. Sein Fleiß und sein Engagement waren bisher höchst anerkannt.