Für den Staat ist der Einstieg bei der HRE ein Akt der Verzweiflung. Die Bank gilt als systemrelevant, eine Pleite würde das gesamte Finanzsystem in den Abgrund reißen. Zunächst einmal kostet die Rettung aber Geld. Bislang gewährte der Staat Garantien über 87 Milliarden Euro. Hinzu kamen 15 Milliarden Euro von anderen Banken. Nach einem Verlust von 5,4 Milliarden Euro im vorigen Jahr dürfte nun noch eine Eigenkapitalspritze von bis zu zehn Milliarden Euro nötig werden, da die Reserven des Hauses bedenklich geschrumpft sind. Besser wird es kaum: Auch in den beiden kommenden Jahren rechnet Wieandt mit roten Zahlen.SchadensbegrenzungBei dem Staatseinstieg geht es - anders als zuvor bei der Beteiligung an der Commerzbank - also vor allem um Schadensbegrenzung. Als neuer Eigner kann der Staat zusammen mit dem Management retten, was noch zu retten ist und die Schrumpfkur des Konzerns hautnah begleiten. Wieandt arbeitet bereits seit dem Herbst daran, den Konzern radikal zu verkleinern, mehr als die Hälfte der Belegschaft muss gehen. Die Schrumpfkur dürfte aber Zeit in Anspruch nehmen, das stellte der HRE-Chef klar. "Die Stabilisierung der HRE und die strategische Neuausrichtung schaffen die Voraussetzung, dass die HRE wieder erfolgreich agieren kann. Der Prozess dahin wird mehrere Jahre dauern."Mit dem Einstieg des Bundes hofft Wieandt darauf, dass der Glaube an eine Zukunft für die Hypo Real Estate wieder zurückkehrt. "Es gibt kleine Pflänzchen von zurückkehrendem Vertrauen", sagt er. "Das Vertrauen kehrt sehr, sehr langsam zurück, aber wir glauben, dass sich das beschleunigt in dem Maße, in dem der Bund einsteigt." Scharfe Kritik äußerte derweil SPD-Vorsitzender Franz Müntefering an den ehemaligen Managern der Hypo Real Estate: "Dass diejenigen, die dort einen Milliardenschaden angerichtet haben, jetzt auf ihre vertraglichen Boni und Supergehälter pochen, das ist schon randständig." Kritik an Dresdner-Bank-BoniNach ebenfalls heftiger Kritik aus der Politik verzichtet unterdessen der frühere Chef der defizitären Dresdner Bank, Herbert Walter, auf seine Abfindung in Höhe von 3,6 Millionen Euro. Er begründete den Schritt am Wochenende mit den "massiven Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Dresdner Bank". Zuvor hatten sich Politiker über die Bonuszahlungen in Millionenhöhe für die ehemaligen Manager des Instituts empört. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich entsetzt darüber, mit welcher Nonchalance sich manche der Manager Bonuszahlungen leisteten und einsteckten. Aus dem Geschäftsbericht der Dresdner Bank geht hervor, dass die Vorstände trotz eines Milliardenverlusts im vergangenen Jahr eine Vergütung von rund 58 Millionen Euro erhalten haben.