ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:42 Uhr

Ein neues Märchen vom bösen Wolf

Ein Wolfsrudel hat in Polen einen Jäger getötet: Diese Meldung verbreitet der Präsident vom Landesjagdverband Brandenburg über Whatsapp. Schnell wird klar: Er ist einer Falschmeldung aufgesessen. Nachfragen bei Behörden in Deutschland und Polen ergeben: So etwas ist nicht passiert.
Ein Wolfsrudel hat in Polen einen Jäger getötet: Diese Meldung verbreitet der Präsident vom Landesjagdverband Brandenburg über Whatsapp. Schnell wird klar: Er ist einer Falschmeldung aufgesessen. Nachfragen bei Behörden in Deutschland und Polen ergeben: So etwas ist nicht passiert. FOTO: dpa
Rietschen/Michendorf. Während Wolf Pumpak im Landkreis Görlitz seinem Abschuss zu entgehen scheint, stiftet eine Falschmeldung über einen Wolfsangriff Unruhe. Lydia Schauff und Juliane Preiss

Die Zeit läuft: Noch bis Sonntag darf der Wolf, dessen Treiben in Menschennähe im Landkreis Görlitz für Aufsehen gesorgt hat, abgeschossen werden. Danach erlischt die Ausnahmegenehmigung. Und als hätte der Grenzgänger aus Polen, der den polnischen Namen Pumpak (übersetzt: Der Fette) bekommen hat, eine Ahnung, lässt er sich kaum noch blicken. "Der Wolf ist schon lange nicht mehr gesichtet worden, und es ist nicht beabsichtigt, eine neue Ausnahmegenehmigung zum Abschuss zu beantragen", sagt Marina Michel, Sprecherin vom Landkreis Görlitz.

Im November wurde Pumpak an verschiedenen Orten in Rietschen gesichtet und näherte sich auf der Suche nach Fressbarem Wohnhäusern.

Laut Wolfsbüro Sachsen gehört der Wolfsrüde zu einem polnischen Rudel und wurde nach Angaben polnischer Wissenschaftler als Welpe von Menschen gefüttert; traut sich wohl darum in die Nähe von Wohnhäusern.

Während sich Pumpak nun rar macht, so möglichweise seinem Abschuss entgeht und der Trubel um ihn abflaut, sorgt diese Meldung für Aufsehen: "Erstes Todesopfer in Polen (Wojowotscja Lubuska) durch Wolfsrudel!!! Jäger (51J.) ist in den frühen Morgenstunden von mehreren Wölfen attackiert worden !!!Der Mann erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen !!!!!!!"

Gepostet wurde die Nachricht von Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg (LJV BB) in der Whatsapp-Gruppe "Junge Jäger", wie die Internetseite jawina.de berichtet.

berichtete.

Tino Erstling, Pressereferent vom LJV BB: "Die Whats-Gruppe gibt es, und die Nachricht wurde dort auch von unserem Präsidenten gepostet.

Er ist offensichtlich einer Fake-News aufgesessen und hat diese weiterverbreitet."

Auch zu Lupus, dem deutschen Institut für Wolfsforschung, ist die Nachricht von den Wölfen, die einen Menschen getötet haben sollen, durchgedrungen.

Ilka Reinhardt von Lupus: "Wir haben das mitbekommen und bei den polnischen Kollegen nachgefragt. Die haben weder etwas gehört, noch ist die Geschichte in polnischen Medien präsent." In Europa liegen Angriffe von Wölfen auf Menschen rund ein halbes Jahrhundert zurück. Laut einer Studie (2002) vom Norwegischen Institut für Naturforschung sind aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vier Fälle aus Spanien bekannt, bei denen Menschen von Wölfen getötet wurden, hinzu kommen fünf tödliche Übergriffe durch tollwütige Wölfe.

Auch in Polen hat die im Internet verbreitete Meldung vom Wolfsrudel, das einen Jäger gerissen haben soll, die Runde gemacht; und den polnischen Biologen Henryk Okarma, eine Koryphäe im Bereich Raubtierforschung in Polen, erreicht. Am Dienstag habe ihn ein Bekannter aus Poznan angerufen und von der Meldung erzählt, dass Wölfe einen Mann in der Woiwodschaft Lebus (Lubuskie) nahe der deutschen Grenze getötet haben soll.

Okarma: "Ich habe sofort mit der zuständigen Forstbehörde und anderen Verantwortlichen aus der Gegend gesprochen. Niemand konnte den Fall bestätigen."

Meldungen über Wölfe in Polen gebe es häufig, doch meist seien es sogenannte "Soft cases" (weiche Fälle). Wie zum Beispiel, dass ein Wolf in der Nähe einer Siedlung gesichtet wurde oder Spaziergänger im Wald Wölfe aus der Nähe beobachten konnten.

Auch Meldungen über Attacken gebe es ab und zu ("Hard cases"). Doch noch nie hätten sich solche Fälle als wahr herausgestellt, sagt der Biologe. So auch im November 2016, als die Zeitung Gazeta Wyborcza aus Kielce berichtet hatte, dass Wölfe zwei Jagdhunde angegriffen haben. Danach wird klar: Das ist nie passiert.

Die Forschungsschwerpunkte von Henryk Okarma sind heimische Raubtiere, wie der Wolf. Er lehrt an der Jagiellonen-Universität in Krakau und arbeitet am Internetportal wilk.net mit. Dort veröffentlichen Experten und Amateure Meldungen und Monitoringergebnisse rund ums Thema Wolf in Polen.

Nach dem Weiterverbreiten der Falschmeldung über den tödlichen Wolfsangriff auf Whatsapp von Präsident Dirk-Henner Wellershoff plant der Landesjagdverband Brandenburg, eine Richtigstellung an seine Mitglieder zu versenden. LJV-Sprecher Tino Erstling: "Unser Präsident bedauert die Weitergabe dieser Falschnachricht. Er hat diese von einer Quelle, die er für vertrauenswürdig gehalten hat."