Zu DDR-Zeiten befand sich hier das erste Haus am Platze - das Palasthotel, selbstverständlich benannt nach dem Palast der Republik quer über die Straße. Im französischen Restaurant konnte nur mit Devisen bezahlt werden. Das Japanrestaurant "Jade" war oft ausgebucht.
Im Palasthotel wurden geheime Firmenunterlagen aus dem Westen übergeben, hier wickelten Devisenbeschaffer Alexander Schalk-Golodkowski und die Genossen von der "Kommerziellen Koordinierung" ihre Geschäfte ab. Aber hinter den getönten Scheiben der 600 Hotelzimmer wohnten auch die Stars aus dem Westen, die zu Gast im "Kessel Buntes" waren oder ein Konzert in der Hauptstadt der DDR gaben.
Nach der Wende kaufte die Hamburger Immboliengesellschaft Difa das Gebäude. Das Hotel verpachtete sie an die skandinavische Radisson SAS-Gruppe. Das einstige Vorzeigehotel wurde zu einem Mittelklassehaus unter zahlreichen anderen. Doch im Jahr 2000 war zunächst einmal Schluss. Denn etwas besonderes sollte her, ein ganz neues Stadtquartier entstehen: Das "Domaquaree". Besonderes Kennzeichen: Der "Aquadom", ein 25 Meter hohes Aquarium mit tropischen Fischen in der Mitte der Hotellobby, das Besucher mit einem gläsernen Fahrstuhl von innen durchqueren können. Ihm angeschlossen: Das "Sea Life", eine Mischung aus klassischem Aquarium und Unterwasser-Freizeitpark für die moderne Spaßgesellschaft. Durch insgesamt 30 Aquarien können die Berliner und ihre Gäste die Unterwasserwelt erleben - "angefangen von den Spreequellen bei Bautzen und Görlitz über die Tierwelt des Großen Wannsees bis zu den Tiefen des Atlantiks", erzählt Pressesprecher Markus Koch. Und wer sich die nicht gerade bescheidenen 13 Euro Eintritt leisten kann, trifft vor jedem Becken auf freundliche Mitarbeiter, die die Aquarien und ihre Bewohner erklären. Für Kinder gibt es kleine Ratespiele rund um die Flossentiere, für Schulklassen auf Exkursion einen speziellen Unterrichtsraum. Sogar Unterschriften für den Artenschutz werden bei "Sea Life" gesammelt - denn selbst bezeichnet sich das Unternehmen als "Botschafter der Meere". Doch während etwa im Aquarium des Berliner Zoos die Fische und Krustentiere selbst die größten Attraktionen sind, lebt das "Sea Life" von deren Inszenierung - etwa wenn zwei von innen begehbare Glasbecken mit je einem Makrelen- und einem Heringsschwarm in einem dunkelblauen Raum mit gedämpftem Licht den Eindruck vermitteln, der Besucher selbst stünde mitten in der Nordsee.
Hoch hinaus dagegen muss, wer das Highlight des am 1. März eröffnenden neuen SAS-Hotels erleben will, die Nikolaisuite. Im sechsten Stock, über den Dächern der Hauptstadt gelegen, lädt auch sie zum Träumen ein - zum Beispiel in der Badewanne mit dem Blick auf den Berliner Dom.
Nur das Fenster nach draußen fehlt in 102 Gasträumen - hier gucken die Berlinbesucher beim Aufstehen auf das Aquarium. "Wir haben im Moment noch keine Ahnung, was die Gäste lieber wollen - den Blick auf den Dom oder den ,Aquadom‘", sagt Pressesprecherin Christina Deppe. Doch auch wer die Fische lieber auf dem Teller mag, ist im neuen Radisson-Hotel willkommen: Im Keller findet sich eine eigene Sushi-Bar, die zusammen mit den China-Restaurant "Noodle Kitchen" der Küche des Hotels eine fernöstliche Note gibt.
Nichts jedenfalls erinnert mehr an das alte Palasthotel - und General Manager Werner Knechtli hat auch keine Angst, daß sein Neubau von den Berlinern damit identifiziert wird: "Denn wir haben hier ja schließlich ein völlig neues Haus gebaut!"