Er bedauert es sehr, dass Dieter Graumann nicht wieder angetreten ist. "Ich wäre sehr gern weiter Vizepräsident geblieben", sagt Schuster, der am gestrigen Sonntag gewählt wurde.

Josef Schuster wurde 1954 im israelischen Haifa geboren. Seine Eltern zogen aber nur wenig später wieder zurück nach Würzburg. Die Wurzeln der Familie liegen hier. Seit Jahrhunderten lebt sie schon in Unterfranken. Sein Vater überlebte mehrere Konzentrationslager und baute in den 1970er-Jahren in Würzburg eine Synagoge auf. Und obwohl Schusters Eltern ihre Religion traditionell gelebt haben, war schon seine Kindheit von Offenheit bestimmt: "Meine Eltern waren sicherlich religiöser, als ich es bin, sie hatten aber als Hausrabbiner den zum damaligen Zeitpunkt einzigen liberalen Rabbiner in Deutschland. Ich bin ich auch von Haus aus eigentlich sehr offen geprägt."

Schuster ist seit fast 32 Jahren verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Und er ist Würzburger im Herzen. Kindergarten, Schule, Medizinstudium, Arzt-Ausbildung zum Internisten - alle wichtigen Schritte im Leben geht er in Unterfranken. Und das wird auch so bleiben, sagt er. Eine Zeitung beschrieb ihn mal als Nesthocker, "das fand ich ganz amüsant und auch irgendwie passend".

Seine Praxis im Herzen der Residenzstadt werde er deshalb unverändert weiterführen. "Beim Präsidentenamt handelt es sich um ein Ehrenamt. Es ist also notwendig, dass man einen Hauptberuf ausübt, denn irgendwo müssen die Brötchen her kommen", erklärt er ganz pragmatisch. Nebenbei engagiert er sich zudem als Arzt bei der Wasserwacht und im Rettungsdienst.

Dass sich mit dem Vorrücken an die Spitze des Zentralrats der deutschen Juden dennoch einiges in seinem Alltag verändern wird, ist ihm bewusst. "Ich denke, ich werde gerade auf bayerischer Ebene versuchen, noch mehr zu delegieren", sagt Schuster, der Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und Vorsitzender der Kultusgemeinde in Würzburg und Unterfranken ist.