"Wer weiß noch mehr darüber?", haben Gutschkes Nachfahren in das Gästebuch der Frankfurter Ausstellung "Willkommen in der Heimat" geschrieben.
Seit nunmehr fünf Jahren wird die von Mitarbeitern des Stadtmuseums Viadrina, Hobbyhistorikern sowie Vertretern des Heimkehrerverbandes gestaltete Schau über den Frankfurter "Menschenumschlagplatz" für Kriegsheimkehrer in den Räumen des Frankfurter Polizeipräsidiums gezeigt. Der Ort ist gut gewählt. Denn das Präsidium hat seinen Sitz im sanierten Gebäudekomplex der ehemaligen Horn-Kaserne, nach dem Ende des II. Weltkrieges zentrales Entlassungslager unter sowjetischer Administration für deutsche Kriegsheimkehrer.
"Wer damals aus dem Osten kam, musste zwangsläufig durch Frankfurt", macht Historiker Klaus Eichler deutlich. Neben zahlreichen Flüchtlingen und Vertriebenen aus ehemals deutschen Gebieten waren das bis 1950 auch knapp zwei Millionen Heimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft. In Güterzügen kamen sie nach wochenlanger, strapaziöser Reise in der Oderstadt an, entkräftet und krank, aber organisiert und streng bewacht.
Der Backstein-Komplex der Horn-Kaserne am westlichen Stadtrand war in den ersten beiden Jahren nach dem Kriegsende aber auch Sammelstelle für den Abtransport von deutschen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, beispielsweise aus den berüchtigten NKWD-Speziallager Sachsenhausen, in sowjetische Arbeitslager. "Die Kriegsgefangenen, die einerseits aus dem Osten zurückkamen und die, die erst noch dorthin gebracht wurden, trafen in der Horn-Kaserne aufeinander, begegneten sich jedoch höchstens im lagereigenen Lazarett", beschreibt der Historiker.

21 Lazarette und Hospitäler
Für diejenigen, die in der Horn-Kaserne ihre Entlassungspapiere bekamen, war das Heimkehrerlager im Frankfurter Ortsteil Gronenfelde die nächste Station. Binnen zwei Tagen wurden sie dort ärztlich untersucht, vom DRK-Suchdienst erfasst und mit Verpflegungsgeld für die eigentliche Heimreise zu ihren Familien versorgt. Doch nicht alle von ihnen überstanden die letzten Tage vor der endgültigen Entlassung in die Freiheit. Allein 21 Lazarette und Hospitäler gab es in Frankfurt in den Nachkriegsjahren. Für Tausende wie Hugo Walter Gutschke wurde die Oderstation zur letzten Station ihres Lebens.
So wie ihre Leidensgenossen, die bereits während des Transports nach Frankfurt verstorben waren, wurden sie auf einem 22 000 Quadratmeter großen Gelände im Ortsteil Nuhnen begraben. 1974 ließ die Stadt Frankfurt diese Begräbnisstätte aufheben, die Gebeine von 1888 gefundenen Kriegsheimkehrer wurden auf dem städtischen Friedhof in einer speziellen Kriegsgräberstätte erneut beerdigt. Anhaltspunkte dafür, dass bei der Umbettung nicht alle Gebeine gefunden worden waren, gab es seit Jahren. Der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge erhielt Namenslisten aus russischen Archiven mit Angaben zu 3245 Kriegsheimkehrern, die in Frankfurt starben. Suchgrabungen im Herbst vergangenen und Frühjahr dieses Jahres auf dem Areal in Nuhnen bestätigten den Verdacht: Noch immer liegen hier Gebeine ehemaliger Kriegsheimkehrer. Forderungen nach einer würdigen Bestattung der Toten wurden laut. Doch wahrscheinlicher ist inzwischen die Errichtung einer Gedenkstätte an Ort und Stelle, denn die Bergung der sterblichen Überreste wäre aufgrund der örtlichen Gegebenheiten zu kompliziert.

3600 Besucher kamen
Mehr als 3600 Besucher zählte die Frankfurter Heimkehrer-Ausstellung in den vergangenen fünf Jahren. Neben Schulklassen und zunehmend auch Bundeswehr-Soldaten sind es vor allem Vertreter der "Enkelgeneration", Frauen und Männer zwischen 20 und 30 Jahren aus ganz Deutschland, die sich auf die Spuren ihres Großvaters gegeben haben. Um dieses Kapitel der deutschen Geschichte noch stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, wollen die Ausstellungsmacher künftig enger mit der Kriegs-Gedenkstätte auf den Seelower Höhen kooperieren.