Helmar Rendez ist ein Mann mit körperlicher Ausdauer. Drei- bis viermal pro Woche läuft er früh morgens zehn Kilometer. Dazu kommen Radfahren und Schwimmen. Rendez betreibt Triathlon und läuft auch die Marathonstrecke. Sport, sagt der 54-jährige neue Vorstandschef des Lausitzer Energieunternehmens Leag, helfe ihm, Stress im Job gut auszuhalten.

Außerdem vermittele Sport wichtige Erfahrungen: "Da zählt nur die Leistung, ob als Einzelkämpfer oder im Team, man lernt, mit Niederlagen umzugehen und es auch mal richtig krachen zu lassen."

Eine zweite Leidenschaft von Rendez ist in seinem Büro in der obersten Etage des Leag-Verwaltungsgebäudes in Cottbus nicht zu übersehen. An den Wänden hängen großformatige, moderne Gemälde. Mit dem Maler eines der Bilder, dem Berliner Daniel Kannenberg, ist Rendez befreundet. "Ich denke immer in Tonnagen, in Kosten und Gewinn", sagt Rendez. Gespräche mit Künstlern seien deshalb für ihn anregend: "Die denken in ganz anderen Kategorien".

Anders als sein Vorgänger Hartmuth Zeiß auf dem Chefsessel der Lausitzer Kohlewirtschaft hat Rendez nicht sein ganzes bisheriges Berufsleben im Revier verbracht. Der neue Vorstandschef bringt Erfahrungen mit Kraftwerken, Stromnetzen, Kauf und Verkauf von Energieanlagen in ganz Europa mit.

An seinem Geburtsort Stuttgart verbrachte der gelernte Wirtschaftsingenieur nur wenige Monate. Aufgewachsen ist er in Berlin, wo seine Familie noch heute wohnt. 1998 fing er als Strategiechef bei der damaligen Veag an, dem Eigentümer der Lausitzer Kraftwerke nach der Wende. "Damals gab es auch schon mal eine Energiekrise mit sehr niedrigen Strompreisen, wir mussten einsparen, was nur ging", erinnert er sich.

Dann kam der Verkauf der Veag und des Tagebau-Unternehmens Laubag an den schwedischen Staatskonzern Vattenfall. Diesen Verkauf hat Rendez mit organisiert. Vattenfall schickte ihn dann in die nächste große Aufgabe: Die Zusammenführung ihrer in Deutschland eingekauften Unternehmen Veag, Laubag, der Elek trizitätswerke in Hamburg und in Berlin.

Anschließend übernahm Rendez die Leitung eines Regionalversorgers, einer Vattenfall-Tochter, in Mecklenburg-Vorpommern. Vor dort ging es nach Stockholm in die Konzernzentrale. 2007 bis 2010 saß er dort als Strategiechef. Er lernte nicht nur Schwedisch, sondern auch mit einer anderen nationalen Kultur umzugehen.

Die Hobbys des neuen LEAG-Chefs

Für Vattenfall organisierte er den Verkauf von Anteilen an den Stromnetzen in Polen und Finnland und die Herauslösung des Hamburger Netzes nach erfolgreichem Volksentscheid über eine Rekommunalisierung. Neben Stockholm war auch Amsterdam für eine Weile sein Arbeitsort, als Vattenfall Nuon kaufte, einen niederländischen Betreiber von Gaskraftwerken.

Seinen beruflichen Erfolg bezahlt Rendez seit mehr als zwölf Jahren mit einer Wochenendbeziehung zu Frau und Tochter in Berlin. Seine Frau habe ebenfalls einen anspruchsvollen Job und er an Werktagen auch abends kaum Zeit. Weniger Zeit zusammen, die aber intensiv verbracht, das sei der Kompromiss gewesen, sagt Rendez. Ein wenig Bedauern schwingt dabei mit.

Als er 2015 als Finanzvorstand für Vattenfall nach Cottbus kam, war gerade die Sicherheitsbereitschaft für Braunkohlekraftwerke von der Bundesregierung beschlossen worden. Rendez führte die Gespräche über die Stilllegung zweier Blöcke in Jänschwalde in wenigen Jahren.

Und auch in die Vorbereitung des Verkaufes der Lausitzer Tagebaue und Kraftwerke von Vattenfall an die neuen tschechischen Eigentümer war er maßgeblich eingebunden. Jetzt, sagt Rendez, habe er die Chance, auch den weiteren Fortgang des Unternehmens zu begleiten.

Das Wichtigste sei, dass der neue Eigentümer an das Unternehmen glaube. Trotz deutlich wieder gestiegener Preise an der Strombörse mache die Lausitzer Braunkohlenwirtschaft noch Verluste. Deshalb müsse beim Geldausgeben weiter "mit Augenmaß gebremst" werden: "Wir haben aber gute Chancen, mit unserem modernen Kraftwerkspark durch das Tal der Tränen hindurchzukommen."

Die Energiewende, davon ist Rendez überzeugt, werde nicht Jahre, sondern Jahrzehnte dauern. Gerade in Wetterperioden wie zur Zeit mit einer wochenlangen "Dunkelflaute", wo die Erneuerbaren nur etwa zehn Prozent des Verbrauches deckten, zeige sich das.

"Wir sind die Innenverteidigung der deutschen Energiewirtschaft", bemüht der neue Vorstandschef einen Sportvergleich für seine Auffassung über die Rolle des Braunkohlestroms beim Thema Versorgungssicherheit. Und die Brücke des Braunkohlestroms als "Brückentechnologie" reicht für ihn eher 30 als 15 Jahre in die Zukunft. Mit langen Strecken und Ausdauer kennt er sich als Triathlet und Marathonläufer aus.