Trotz dieses Millionenstroms der Worte - aber vielleicht auch gerade deshalb - sind Gespräche, die lange und tief in Erinnerung bleiben, auch in diesem Berufsstand selten. Das ist so, weil solche Menschen, die ihre Gesprächspartner inspirieren, neue Perspektiven aufzeigen und Erkenntnisse vorantreiben, selten sind. Einer dieser seltenen Menschen, die das konnten, ist jetzt nicht mehr da. Johann Legner, der die LAUSITZER RUNDSCHAU über Jahre mitgeprägt hat, starb in der vergangenen Woche.

Johann Legner war im wahrsten Sinne des Wortes ein Mann der starken Worte. Er sprühte vor Ideen, Geist und Witz. Seine Gedanken hatten eine merkwürdige Dynamik und kamen fast immer quer daher. Es reizte ihn, mit Wortspielen Reaktionen zu provozieren, drängte seine Gesprächspartner dazu, neu zu denken und war vor allem immer gut informiert. In seiner Korrespondentenzeit in Potsdam brachte er für die LAUSITZER RUNDSCHAU zahlreiche Exklusivnachrichten heraus, auch wenn das Schwarzbrot des Journalismus, die einfache spröde Nachricht, nicht wirklich sein Freund war. Er liebte die Nebentöne, spielte mit der Ironie und zog mitunter - gar nicht nachrichtentypisch - einen großen Bogen, um am Schluss zu einer überraschenden Pointe zu kommen.

Viel hat er gemacht in seinem Leben. In erster Linie war er Journalist, und zwar einer der nicht angepassten, der unbequemen Art. 1996 bis 2000 machte er Pause vom Journalismus und arbeitete als Pressesprecher für Joachim Gauck, als dieser die Bundesbehörde für die Stasiunterlagen leitete.

Bei der LAUSITZER RUNDSCHAU beobachtete er die Potsdamer Landespolitik. Er liebte die Herausforderung, und wohl deshalb übernahm er im Medienhaus auch in schwierigen Zeiten Führungsverantwortung. Im zweiten Halbjahr 2010 leitete er für Joachim Gauck die Präsidentschafts-Kampagne. 2012 ging er als Korrespondent nach Washington. Wenig später schrieb er eine viel beachtete Biografie über Joachim Gauck, die 2014 veröffentlicht wurde.

Johann Legner legte es nicht darauf an, sich beliebt zu machen. Er sprach niemandem nach dem Mund, und das gab ihm die Freiheit, die er liebte. Es machte ihn unbequem und liebenswert zugleich. Er hinterlässt eine große Lücke.