Bei seiner vorläufigen Verabschiedung als Parteichef vor sechs Jahren schenkte man Bisky einen Baum, was auch als Fingerzeig für den Ruhestand gemeint war. In seinem Haus im sächsischen Schildau wollte Bisky Wurzeln schlagen und den politischen Feierabend genießen. Doch es kam anders.
Heute wird der in Hinterpommern geborene Sohn einer Arbeiterfamilie 65 Jahre alt. Und die Mitarbeiter im Berliner Karl-Liebknecht-Haus haben sich wieder ein Geschenk für ihren Vorsitzenden ausgedacht: Es sind Gartenmöbel, wie geschaffen für sein Refugium in Schildau.
Bisky wird auch künftig gebraucht. Im nächsten Jahr ist die Fusion mit der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) geplant. Dazu braucht es eine Doppelspitze. Ein Posten ist praktisch schon an den umtriebigen Oskar Lafontaine vergeben. Zur Vermeidung wechselseitiger Profilierungsversuche wäre Bisky eine ideale Ergänzung. Bereits im Jahr 1993 hatte der gelernte Kulturwissenschaftler den PDS-Chefsessel von Gregor Gysi übernommen. Der Partei-Star war es leid, die schwierige Truppe der untergegangenen SED zusammenzuhalten. Im Westen galt sie damals ohnehin als Auslaufmodell. Doch unter Biskys Führung zog die PDS fünf Jahre später erstmals in Fraktionsstärke in den Bundestag ein. Dabei ist der einstige Rektor der DDR-Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg kein Volkstribun. Seine drögen Ansprachen auf Parteitagen und Pressekonferenzen gereichen ihm und seinen Zuhörern gleichermaßen zur Qual. Ei ne andere Partei würde schon deshalb an ihrem Vorsitzenden zweifeln - Bisky fährt bei seinen Wiederwahlen regelmäßig Traumergebnisse ein. In seiner leisen und sachlichen Art hat er die PDS von fundamentaler Kapitalismus-Kritik zur Regierungsmitverantwortung auf Landesebene geführt. Er selbst sah sich dabei oft als "Integrations-Opa". Aus dieser Grundhaltung erwuchs auch eine Nachsichtigkeit, die der Partei fast die Spaltung beschert hätte.
Frustriert von den Flügelkämpfen zwischen Reformern, Altstalinisten und westdeutschen Revoluzzern warf Bisky vor sechs Jahren das Handtuch. "Die finale Mülltonne ist voll", meinte er damals angewidert. Sein großer Fehler: Die Nachfolge war ungeklärt. Am Ende stand sich das Lager der Reformer selbst im Weg. Unter der neuen Vorsitzenden Gabi Zimmer geriet die PDS ins linkssektiererische Fahrwasser. Die Quittung kam zur Bundestagswahl 2002: Die PDS blieb unter der Fünf-Prozent-Marke. So war es für Bisky auch ein Akt persönlicher Wiedergutmachung, als er im Jahr darauf abermals für den Chefsessel kandidierte und knapp 80 Prozent Zustimmung erhielt.
Ganz im Sinne der angestrebten Fusion mit WASG folgte Biskys erfolgreiche Kandidatur für den Bundestag. Dafür gab der erfahrene brandenburgische Oppositionspolitiker sein Amt als stellvertretender Präsident des Potsdamer Landtags auf. Ein Posten, der darauf hindeutet, dass ihn auch die politische Konkurrenz respektierte. Gerade deshalb war es für Bisky ein beispielloser Tiefpunkt, als ihm der Bundestag Ende 2005 gleich in vier Anläufen die Vizepräsidentschaft versagte - wegen Stasi-Kontakten.
Mittlerweile begreift Bisky die Schmach des Scheiterns als Aufforderung, die neue linke Partei dauerhaft in der politischen Landschaft zu etablieren. Das politische Zieldatum ist die Bundestagswahl 2009. Kann die neue Linkstruppe dort punkten, dürfte sich Bisky endgültig auf die Gartenmöbel in Schildau zurückziehen.