Mit sehr zufriedenem Blick folgt Engelmann den geschwungenen Wegen über sein Grundstück in den Schorbuser Wiesen. Wellen, angedeutete Täler und Erhebungen, eine Blickachse zwischen alten Eichen bis hinüber zum alten Kirchturm - es ist im wahrsten Sinn eine gestaltete Landschaft. Harmonisch eingepasst in die Umgebung, nichts wirkt formal oder künstlich dem Boden aufgezwungen. "Das würde nun auch gar nicht meiner Handschrift entsprechen", sagt Engelmann. "Ich gehöre eher zu denen, die sich an- und einpassen, als zu denen, die den spektakulären Auftritt suchen." Die Liebe zu Pflanzen sei ihm angeboren, sagt er, damals vor 54 Jahren in Cottbus. Seit er denken könne, habe er sie zum Beruf machen wollen - "aber nicht einfach jeden Tag 1000 Töppe Chrysanthemen pflanzen, also einfach Gärtner wäre zu langweilig." Etwas kreativer wollte es der Engelmann schon haben, und so entschied er sich für die Landschaftsarchitektur. Das Praktikum absolvierte er in Cottbus, um keine Wohnraumprobleme zu bekommen, und dann blieb er gleich in der Lausitz - beim VEB für Städtebau und Dorfplatzplanung. "Wirklich aus Cottbus rausgekommen bin ich nie", sagt er - mit leisem Bedauern. Leidenschaft Branitzer ParkImmerhin nutzte er nach der Wende alle Möglichkeiten, die Gartenschätze Europas für sich zu entdecken. Russland, Spanien, Frankreich, Italien wurden bereist, bestaunt und - den heimatlichen Gegebenheiten angepasst - als Anregung verwertet. Inzwischen hatte der Botanik-Liebhaber sich längst selbstständig gemacht, einen kleinen Betrieb aufgebaut und neben Privatgärten auch die Anlagen der JVA Dissenchen gestaltet sowie mehrere Schulhöfe und Parks der Umgegend. Seine besondere Leidenschaft aber, das spürt man hinter seinen Worten, gilt seit vielen Jahrzehnten dem Branitzer Park. Zunächst restaurierte Engelmann Land- und Seepyramide, später die Gutsökonomie, jetzt arbeitet er an der Wiederherstellung eines Parklatzes. "Die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, das Stöbern in alten Büchern, die Suche nach einer wirklich guten Lösung, das ist eine schöne Aufgabe", sagt er. Ebenso schön wie etwa die heftig umstrittene Sanierung des Schillerplatzes vor dem Staatstheater in Cottbus. Eine ganze Bürgerinitiative stand damals gegen den Landschaftsgärtner, wollte verhindern, dass er die geliebten Stadtbäume fällen ließ. "Aber heute kommen sogar einige der damaligen Gegner auf mich zu und sagen, dass es richtig war, was wir gemacht haben. Der Platz sei eben erst jetzt wieder so wahrnehmbar, wie ihn seine Erbauer geplant hatten." Hagen Engelmann gehört nicht zu denen, die den Konflikt suchen - aber wenn er denn da ist, dann muss er ausgehalten werden, um der Sache willen. Wobei "Sache" natürlich nicht das richtige Wort ist. Wer den Mann mit der schwarzen Mütze beobachtet, wie er im wahrsten Sinne liebevoll nach dem Gedeihen seiner Schneeglöckchen schaut, der wird spüren, dass es hier um etwas zutiefst Lebendiges geht. Ein Blick auf die Internetseite des Gärtners (garten-in-den-wiesen-de) entlarvt ihn denn auch als Opfer hochgradiger Galanthophilie - der unheilbaren Liebe zum Schneeglöckchen. Mit ihm versucht er, dem Winter so früh wie möglich ein Schnippchen zu schlagen. Mit ihm ist er aber auch jetzt im Herbst noch in der Lage, den zarten weiß-gelben oder weiß-grünen Zauber zu verbreiten. "Das Schneeglöckchen gehört auch zu den wenigen Pflanzen, die ich wirklich hege und päppele", lächelt Engelmann. "Meistens setze ich auf Masse, und was sich in unserem heimischen Boden nicht durchsetzt, hat hier eben nichts verloren." So rigoros, wie der Garten-Mann bei solchen Worten klingen mag, ist er allerdings nicht: Der Gartenboden, in den er seine Pflanzen bringt, ist so sorgfältig ausgesucht, dass die geliebten Pflanzen nicht wirklich hart ums Überleben kämpfen müssen. "Wir haben lange gesucht nach einem passenden Grundstück für unser Haus - oder eben vielmehr für unseren Garten." Mehr als 2000 Sorten und ArtenKarnickelsand sollte es nicht sein, sondern fruchtbarer Lehmboden, stadtnah, bezahlbar, in schöner Lage am Rand eines Dorfes. In den Schorbuser Wiesen hat das Ehepaar Engelmann dann schließlich 2500 Quadratmeter Land gefunden. Zunächst gärtnerisch gestaltet, später mit einem ökologisch konzipierten Haus bebaut, das heute auch für den Sohn eine Einliegerwohnung bereithält - und den beiden Katzen viele behagliche Schlupfwinkel bietet. "Unsere lebenden Pflanzenschützer" nennt Engelmann die Tiere. Schließlich dezimieren sie die Mäuseplage im Garten, ohne dabei kostbares Grün zu zertreten. Denn obwohl das Schorbuser Grundstück mittlerweile mit mehr als 2000 Sorten und Arten übervoll ist - geliebt wird jede einzelne, vom kleinsten Schneeglöckchen bis hin zum meterhohen Bambus.