Eine solche Konstellation gibt es nicht alle Tage. Gleich drei Politiker unterschiedlicher Parteien aus einer Stadt wollen in den nächsten Bundestag. Seitdem die SPD auf der gemeinsamen Vorstandssitzung von Cottbus und Spree-Neiße am Dienstagabend Ulrich Freese vorgeschlagen hat, gilt der Vize-Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie als erster Herausforderer von Birgit Wöllert. Die Linke hat ihre Landtagsabgeordnete am Wochenende nominiert, nachdem auch für FDP (Martin Neumann) und Grüne (Wolfgang Renner) die Bewerber feststehen.

Um den Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze machen die Christdemokraten noch ein Geheimnis. Das Vorschlagsrecht liegt diesmal beim Kreisverband Spree-Neiße. Dessen Vorsitzender, Landrat Harald Altekrüger, verweist gegenüber der RUNDSCHAU lediglich darauf, dass sich Schulze unter den Namen befinde, über die zurzeit beraten werde. Anfang Januar gebe es die Entscheidung im Kreisvorstand, der am 25. Januar die Nominierung durch den Parteitag Cottbus/Spree-Neiße folge.

Seit Dienstagabend gilt Ulrich Freese als Kandidat der SPD-Unterbezirke Cottbus und Spree-Neiße. Die Vorstände haben sich bei 15 Ja- und drei Nein-Stimmen darauf geeinigt, den versierten Gewerkschafter und lokalen Abgeordneten ins Rennen zu schicken. Freese, der von 1994 bis 2004 Brandenburgs Landtag angehörte, soll das Direktmandat in Cottbus/Spree-Neiße für die SPD zurückholen. Immerhin war man von 1994 bis 2005 (Werner Labsch, Wilfried Schreck, Steffen Reiche) hier dominierend, ehe der parteilose Wolfgang Neskovic für die Linke in die Phalanx einbrach. "Wir brauchen einen Abgeordneten, der wieder für die Lausitz im Bundestag eintritt", kommentiert der SPD-Kreischef von Spree-Neiße, Innenminister Dietmar Woidke, die Kandidatur des 61-Jährigen.

Vor der Region, so Woidke, stünden in naher Zukunft "Riesen-Herausforderungen etwa in der Energiepolitik, die im Bundestag fachlich begleitet werden müssen". Dafür sei der auch in der Bundes-SPD bestens bekannte und für das Eintreten für Arbeitnehmer-Interessen geachtete Freese "der richtige Kandidat". Damit hebt Woidke auch auf die in Potsdam studierende Cottbuserin Maja Wallstein ab, die als stellvertretende Landeschefin der Jusos am 18. Januar auf dem gemeinsamen Kreisparteitag gegen Freese antreten wird.

Der in Spremberg als "graue Eminenz" der Sozialdemokraten geltende Freese, der sich die Kandidatur reiflich überlegt habe, erklärt nach der Sitzung der Kreisvorstände: "Ich will nicht nur den Wahlkreis für die SPD, sondern auch das Direktmandat gewinnen. Das ist für uns wichtig, um Schwarz-Gelb in Berlin abzulösen."

Dass letztlich sogar mehr als ein Spremberger nach dem 22. September 2013 dem neuen Bundestag angehören könnte, scheint nicht unwahrscheinlich. Denn aller Voraussicht nach dürften die drei Spremberger Vertreter von SPD, CDU und Linker auf den Landeslisten ihrer Parteien mit vorderen Plätzen abgesichert werden.

Spannung ist im Wahlkreis 64 damit angesagt, zumal der jetzige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Neskovic (parteilos) als unabhängiger Kandidat mitmischen will.