Was hat ein Feuerwehrmann mit einem Kaninchenzüchter gemein? Was eine junge Frau, die sich um Flüchtlingskinder kümmert mit einem Naturforscher, der das Leben der Störche ausspäht? Sie haben sich am Sonnabend mit 96 weiteren Ehrenamtlern aus Brandenburg zu einem traditionellen Empfang nach Potsdam eingefunden. Gastgeber waren Landtag und Landesregierung, die nun schon zum 10. Mal zu diesem alljährlichen Ehrenamtsempfang in festlicher Atmosphäre lud.

"Sie sagen immer bescheiden, das ist doch selbstverständlich", beschrieb Landtagspräsidentin Britta Stark die Gemütslage derer, die Kraft und Zeit aufwenden, um sich in den Dienst der Gesellschaft zu stellen - ohne eine Gegenleistung zu erwarten. "Nein", fügt sie an, "es ist nicht selbstverständlich". Für diese 100, stellvertretend für die vielen anderen, war also am Wochenende Danksagung angesagt, und die Dank sagende Landespolitik war mit Ministern und Staatssekretären sehr gut vertreten.

Ministerpräsident Dietmar Woidke ("Heute wollen wir Ihnen ‚danke' sagen, denn wir sind stolz, dass wir Sie in unserem Land haben.") teilte sich den Tisch unter anderem mit Mara Schiemann aus Waßmannsdorf (Dahme-Spreewald) und Steffen Krautz aus Kerkwitz (Spree-Neiße-Kreis).

Schiemann ist Studentin und gehört zu einer Gruppe, die sich in einem Projekt namens Farfalla mit Flüchtlingskindern beschäftigen. In einer Zeit, in der deutschtümelnde Selbstzufriedenheit und Reflexionslosigkeit in Dresden allwöchentlich tausendfüßig für die Rettung des Abendlandes marschieren, machten sich die Studenten ihr Bild von Asylbewerbern dort, wo es frei von ideologischen Flausen ist: in den Unterkünften, wo fremde Menschen eng aufeinander wohnen, ohne Privatsphäre und den Schock im Herzen, ihre eigenen vier Wände verloren zu haben.

Schiemann engagiert sich also an einer besonders komplizierten Stelle und dort um die Schwächsten, die an den Kriegen und Konflikten in ihren Heimatländern vollkommen unschuldig sind, dafür aber die volle Last tragen: heimatlos, mittellos, perspektivlos - eine Kindheit ohne Kindheit.

Krautz gehört zum Kleintierzuchtverein Kerkwitz, der weit mehr ist als das, was der Name sagt. Kerkwitz ist ein Ortsteil von Schenkendöbern und hat all die Probleme, die vergleichbare Orte auch haben: gelegen an einem Kohle-Abbaugebiet, nahe der polnischen Grenze, Wegzug, Überalterung. Aber es ist kein Dorf wie jedes andere, weil über den Kleintierzuchtverein ein Großteil des sozialen Lebens läuft.

Neulich eröffnete er einen Dorfladen, während anderswo Einrichtungen dieser Art sterben. Er veranstaltet Reitturniere und Frauen treffen sich, um gemeinsam Gymnastik zu machen. An diesem Wochenende veranstalteten die Züchter einen Weihnachtsmarkt, auf dem die Besucher ausschließlich regionale Produkte aßen und tranken.

Woidke zufolge setzt sich jeder dritte Brandenburger auf die eine oder andere Weise für andere Menschen ein. Die vielen Aktionen und Projekte benötigten "Enthusiasten, die andere mitreißen, anpacken und nicht auf die Uhr sehen. Das ist ein großer Schatz."