Der heute 79-Jährige hat dort mehrere Grundstücke zurückbekommen, die man ihm wegnahm, als er 1984 aus Bautzen für 96 000 D-Mark in die Bundesrepublik verkauft worden war.
Eineinhalb von verhängten fünf Jahren Haft hat er in Bautzen verbüßt, verurteilt wegen „mehrfach begangener Spionage“ . Trüschel hatte jedoch nur einen Schulfreund besucht. Der heißt Eberhard Grashoff und war später Regierungssprecher der Brandenburger Landesregierung unter Manfred Stolpe. 1980 arbeitet Grashoff jedoch bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin. Trüschel, von Beruf Lehrer, war aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig pensioniert worden und durfte deshalb in den Westen fahren. Eines Tages steht Grashoff bei ihm in Lübben vor der Tür. Ihre Jugend-Freundschaft lebt wieder auf.
Einmal jährlich gibt der Westdiplomat in seiner Ost-Berliner Dienstwohnung einen Stehempfang, zu dem er auch Arthur Trüschel einlädt. Der freut sich: „Wo ist man denn sonst damals aus dem ganzen DDR-Mief mal rausgekommen.“ Später erfährt er, dass unter den Gästen auch Stasi-Zuträger waren.
Einige Tage nach dem Empfang stehen Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes vor Trüschels Tür. Sie versuchen, auch ihn als Spitzel anzuwerben. Doch Trüschel weicht aus, bestreitet sogar den Besuch bei Grashoff. Im März 1982 wird er dann abgeholt und auf ein geheimes Stasi-Grundstück nach Jessen gebracht. „Die haben gesagt, es würde nicht lange dauern“ , erinnert sich der Lübbener. Es werden zehn Jahre, bis er in seine Heimatstadt im Spreewald zurückkehrt.
Ein Dreivierteljahr wird Trüschel in der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen eingesperrt, dann das Urteil: fünf Jahre Haft und die Verlegung nach Bautzen. „Die konnten sich nicht vorstellen, dass man in meiner Situation nicht spioniert“ , versucht der 79-Jährige sich seine Verurteilung zu erklären.
In Bautzen II bleibt er etwa zehn Tage isoliert. Dann wird er mit einem Mann in eine Zelle gelegt, den er schon aus Hohenschönhausen kennt. „Man musste sich zwangsläufig etwas anfreunden, aber keiner hat dem anderen getraut. Ich habe auch nur erzählt, was ich ohnehin schon ausgesagt hatte“ , beschreibt Trüschel die allgegenwärtige Angst, auch hinter Gittern noch ausgeforscht zu werden.
Der frühverrentete Lehrer muss im Stasi-Knast arbeiten wie alle anderen Gefangenen. Sie bauen elektrische Hilfsschalter in einer Kellerwerkstatt. „Die Mithäftlinge waren alle sehr hilfsbereit“ , versichert Trüschel. Sechsmal im Jahr für jeweils eine Stunde darf seine Frau ihn besuchen, jedoch nur unter ständiger Bewachung.
Die Wachmannschaft schildert der Lübbener sehr differenziert. Der Anstaltsleiter sei ein kalter und brutaler Mann gewesen, andere Schließer dagegen nur gleichgültig. „Gerade unter den älteren Wärtern gab es auch ein paar anständige Kerle.“ Daran lässt der ehemalige Häftling keinen Zweifel. Vom ersten Augenblick an habe er immer auf den Tag genau gewusst, wie viel Haftzeit er noch vor sich hatte. Die Hoffnung, möglichst schnell vom Westen freigekauft zu werden, gibt ihm hinter Gittern Halt.
Gleich nach der Entlassung in die Bundesrepublik fängt Trüschel an, alles aufzuschreiben. „Ich wollte mich erinnern“ sagt er. Was ihm widerfahren ist, soll nicht vergessen werden. Daraus ist ein Buch geworden, aus dem er immer wieder liest, auch in Schulen.
„Die Zeit heilt alle Wunden“ , sagt Arthur Trüschel heute trotz seiner bitteren Erlebnisse. „Wenn ich jetzt aus meinem Buch lese, fühlt sich das manchmal schon so an, als ginge es da gar nicht um mich.“ Die Freundschaft zu Eberhard Grashoff besteht noch immer.