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Ein LKA-Beamter unter Mordanklage

Blick auf das Tatortgelände im osterzgebirgischen Reichenau.
Blick auf das Tatortgelände im osterzgebirgischen Reichenau. FOTO: dpa
Dresden/Pirna. Der bizarre Tod des Unternehmers Wojciech S. in Reichenau (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) war möglicherweise doch Mord. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat am Mittwoch Mordanklage gegen den Polizisten Detlev G. erhoben. Christine Keilholz

Jetzt geht es doch um Mord. "Wir gehen von vorsätzlicher Tötung aus und nicht von Suizid", sagte der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase, gestern. Denn zwischenzeitlich hatten die Umstände der bizarren Tat von Reichenau in der Sächsischen Schweiz ganz anders ausgesehen. Demnach habe der beschuldigte Polizist den Geschäftsmann aus Niedersachsen nicht getötet, sondern nur dessen Selbstmord ermöglicht. Darauf hatte der Anwalt G.s noch im Januar verwiesen. Das aber wirkte in der ohnehin unvorstellbaren Geschichte von Reichenau noch abstruser.

Die beiden Männer kannten sich von einer Internetplattform für Menschen mit perversen und kannibalistischen Neigungen. Sie verabredeten sich schließlich, trafen sich am 4. November in Dresden, fuhren dann gemeinsam nach Reichenau, wo G. eine Pension besitzt. Dort tötete der Polizist den Geschäftsmann, wie es verabredet war. G. zerstückelte die Leiche und verscharrte sie auf dem Grundstück. Stunden soll das gedauert haben, gestand G. später seinen Kollegen im Dresdner Landeskriminalamt.

Da waren Ermittler aus Niedersachsen, die nach dem vermissten S. suchten, längst auf seiner Spur. Der 59-jährige Niedersachse Wojciech S. soll sich seit Längerem in dieser Szene umgesehen haben. G. arbeitete als Sachverständiger im Kriminalwissenschaftlichen Institut des LKA. Zu seinen Aufgaben gehörte die Spurenauswertung bei Mordfällen.

Im Januar widerrief der Schriftsachverständige dann Teile des Geständnisses, sein Anwalt legte Haftbeschwerde ein und legte ein von seinem Mandanten gedrehtes Video als Beweis für Selbsttötung vor. Wann der Prozess gegen den 55-Jährigen beginnt, steht noch nicht fest. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und Störung der Totenruhe vo r.

Ein weiterer grausamer Verdacht hat sich bislang noch nicht bestätigt. Offenbar war bei dem Verbrechen mit perversem Hintergrund kein Kannibalismus im Spiel. Der Verdacht lag zunächst nahe, wurde aber von G. vehement bestritten. Laut dem rechtsmedizinischen Gutachten, das erst nach Monaten vorlag, erstickte das Opfer durch Erdrosseln .