Wenn am 13. Mai das Nephrologicum Lausitz sein 25. Jubiläumsfest feiert, werden auch Patienten dabei sein, die dort von Anfang an Fürsorge erfahren haben. "Wer nierenkrank ist, braucht lebenslange Betreuung", so Dr. Wilfried Dschietzig, der die Gemeinschaftspraxis mit Dialyse, eine der ersten im Land Brandenburg, vor 25 Jahren in der Cottbuser Schillerstraße gemeinsam mit Prof. Dr. Dietmar Müller begründet hat.

Damals arbeiteten zehn Mitarbeiter in der Cottbuser Praxis. Heute gibt es weitere Standorte in Senftenberg, Luckau, Guben und Forst. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich verzehnfacht. In der Geschäftsführung, die sich heute Dr. med. Ulrike Wolf und Elke Wecke-Harbarth teilen, hat es einen Generationswechsel gegeben. Auch die Zahl der Patienten hat sich verzehnfacht.

Und doch erleben die Mitarbeiter und Ärzte über so viele Jahre jede Leidens- und Hoffnungsgeschichte gleichsam mit.

Petra Laube, die im Mai 66 Jahre alt wird, gehörte zu den ersten Patienten, die hier Hilfe fanden. Im Juni 1989 wurde bei ihr eine chronische Nierenerkrankung diagnostiziert, die sie wohl schon seit zehn Jahren mit sich herumgeschleppt und den Körper vergiftet hatte. Nach anderthalb Jahren Dialyse bekam sie schon im September 1991 eine neue Niere: "Das war wie ein Sechser im Lotto", erinnert sich die Cottbuserin. "Ich wusste ja gar nicht mehr, wie es ist, gesund zu sein", fügt sie hinzu.

Gute Jahre, in denen sie die Reisefreiheit nach der Wende mit vollen Zügen auskostete. Und sie blieb doch unter regelmäßiger nierenärztlicher Kontrolle. Wer mit einer Spenderniere lebt, muss Medikamente nehmen, damit sie vom Körper nicht abgestoßen wird. Und er muss sich vor Infekten hüten.

Nach 17 Jahren ließ die Nierenleistung wieder nach. "Ich fühlte mich immer schlechter. Vier Wochen vor meinem 60. Geburtstag, den ich eigentlich groß feiern wollte, musste ich alle ausladen", erinnert sie sich. Die Blutwäsche wurde wieder unumgänglich.

Seit fast sechs Jahren geht sie nun wieder drei Mal die Woche zur Dialyse. "Ich habe mich gut erholt. Die Praxismitarbeiter sind nach so vielen Jahren für mich wie eine zweite Familie, bei der ich meine Probleme abladen kann und auch in der Hoffnung auf eine neue Niere bestärkt werde", sagt sie. Auch das Reisen musste sie nicht völlig aufgeben. Manches Mal war sie auch bei den Patientenreisen dabei, die das Nephrologicum beispielsweise nach Kreta organisiert hat. Während sie in der Dialyse saß, wanderte ihr Mann Horst durch die Berge. Abends trafen sie sich dann zum Strandspaziergang.

Auch der 45-jährige Cottbuser Sven Keuchler gehört zu den Patienten der ersten Stunde. Geschwollene Beine, Unwohlsein, Schlappheit waren die Symptome, die ihn 1993 in die ein Jahr zuvor neu eröffnete Praxis führten. Viele Wochen lagen da schon hinter ihm, in denen versucht wurde, die akute Nierenentzündung mit Medikamenten in Schach zu halten.

"Ich war 22 Jahre alt, als meine Nieren endgültig versagten und ich zur Dialyse musste", sagt er. Er habe weiter gearbeitet, anfangs sogar in Schichten, zwischendurch die Blutwäsche, da blieb er am Wochenende am liebsten daheim. Auch weil er das Gefühl hatte, dass Gleichaltrige sein verändertes Leben kaum nachvollziehen konnten. Seine damalige Freundin, heute seine Frau, war die Erste, mit der er über seine Krankheit sprechen konnte. Und sie stand ihm bei, auch, als ihm überraschend schnell im September 1994 in Berlin eine neue Niere transplantiert wurde. "Seitdem arbeitet sie wunderbar", freut sich Sven Keuchler, der weiß, dass er großes Glück hatte. "Heute liegt die Wartezeit für eine neue Niere bei zehn Jahren."

Durch die rundum gute Betreuung in der Praxis könne er seither ein Leben führen, fast wie ein Gesunder und seine Pläne verwirklichen. Er hat sich noch einmal umschulen lassen zum Bauzeichner, hat geheiratet. Im Jahre 1999 und 2008 wurden die Söhne Florian und Finian geboren. 2004 wurde das Haus umgebaut, in dem mehrere Generationen wohnen. Alle sechs bis acht Wochen aber ist er zur Kontrolle in der Praxis, die auch zu Patiententreffen und Reisen einlädt. "Mit meinem Junior haben wir gemeinsam mit anderen Patienten eine schöne Zeit in Bulgarien und Kreta verbracht", erinnert er sich.

23 Jahre dauert nun schon sein zweites Leben mit der neuen Niere. Der 46-Jährige genießt es. Mehr noch. Er verwirklicht seine Träume: In diesem Jahr will er unbedingt bei den Deutschen Meisterschaften für Dialysepatienten und Transplantierte dabei sein. Auch um Nachdenken zu wecken: "23 Jahre Lebenszeit ist nicht nur Glück. Ohne eine Organspende wären sie unmöglich gewesen."