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Ein Leben für die Natur

Heinz-Dieter Krausch will zur Landesgartenschau 2009 ein Buch über Bauerngärten in Brandenburg herausbringen. Der 80-jährige Botaniker aus Potsdam hat sich mit einer Vielzahl von Forschungsarbeiten über die Niederlausitz hinaus längst einen Namen gemacht. Von Torsten Richter

Welche Gartenblume Heinz-Dieter Krausch am liebsten mag, kann er nicht sagen. Dem hochgewachsenen Forscher mit dem hageren Gesicht und den grauen Haaren gefallen alle. Er denkt kurz nach. "Am meisten aber vielleicht doch die Ringelblume." Sie gehöre zu den ältesten Gartenblumen. Der pensionierte Botaniker besitzt in seinem Garten in Potsdam Urtypen dieser Blume.Heinz-Dieter Krausch steht mit seinem weinroten Rollkragenpullover in seinem Potsdamer Arbeitszimmer. Wer den rüstigen Senior sieht, fühlt sich sofort an die "Alte Garde" Brandenburger Forstmänner und Naturwissenschaftler wie Albrecht Milnik oder Harro Passarge erinnert. Bis zur Decke stapeln sich die Bücher in den Regalen. Meist naturwissenschaftliche und heimatkundliche Literatur aus Brandenburg. Nicht wenige der Bücher hat Krausch selbst geschrieben. Er tippt auf den Buchrücken mit dem Titel "Kaiserkron und Päonien rot". Es beschreibt die Historie heimischer Gartenblumen. Im Rahmen der diesjährigen Landesgartenschau in Oranienburg will der 80-Jährige sein neustes Buch herausbringen. Mit Bauerngärten in Brandenburg werde er sich diesmal befassen, eine echte Herausforderung. "Kein Bauer hat bislang aufgeschrieben, was alles in seinem Garten wächst." Krausch musste über Umwege recherchieren, beispielsweise in Pfarrgärten. Außerdem konnte der Wissenschaftler auf Tausende Farbdias von Gärten zurückgreifen, unter anderem aus dem inzwischen abgebaggerten Dorf Horno (Spree-Neiße)."Verzierter Nutzgarten"Krausch entdeckte im idyllischen Garten seines Großvaters in Guben (Spree-Neiße) als Kind die Liebe für Pflanzen, Natur und Umwelt. Seine Großmutter hatte darauf bestanden, dass dort auch Blumen standen, sodass ein "verzierter Nutzgarten" entstand. "Da wurde mein Forscherdrang sehr zeitig geweckt", erinnert sich Krausch. "Seither wollte ich immer wissen, was wo und wie wächst." Heinz-Dieter Krausch ging in Guben zur Schule, bis er mit 15 Jahren als Marinehelfer an die Nordsee eingezogen wurde. Über Umwege kam er nach Kriegsende wieder in die Lausitz und machte 1948 in Guben Abitur. Danach wollte er an der Brandenburgischen Landeshochschule in Potsdam auf Lehramt studieren. Doch Professor Müller-Stoll, damaliger Direktor des Botanischen Institutes und sehr angetan von Krauschs Kenntnissen und Interessen, riet dem Studenten ab. Als Lehrer könne er sein Potenzial nicht voll ausschöpfen. "Die Folge war, dass ich 1953 mein Botanik-Diplom ablegte und im Nebenfach auch Geologie, Geografie, Bodenkunde sowie Ur- und Frühgeschichte studiert hatte."1953 schrieb Heinz-Dieter Krausch sein erstes Buch. "Na ja, doch eher ein Heftchen", schränkt er bescheiden ein. Der Titel: "Boden- und Pflanzenwelt zwischen Schlaube und Neiße". Darin beschreibt Krausch die naturkundlichen Verhältnisse der Kreise Guben und Fürstenberg/Oder. "Das fiel mir nicht schwer. Ich kannte diese Gegend wie meine Westentasche."Der junge Wissenschaftler forschte und schrieb weiter, Mitte der 50er-Jahre seine Doktorarbeit über Steppenrasenpflanzen an der Oder. Es war Heinz-Dieter Krausch, der Pflanzengesellschaften wie den "Adonisröschen-Fiederzwenkenrasen" unweit von Frankfurt (Oder) erstmals beschrieb. 1960 erschien "Die Pflanzenwelt des Spreewaldes". Bereits fünf Jahre zuvor war Krausch "selbst durch die entlegensten Ecken gekrochen", um einen Aufsatz über die Wälder und Wiesen des Spreewaldes schreiben zu können.Spreewald erforschtFür die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften bearbeitete Krausch den Burger und Straupitzer Spreewald, kartierte die Vegetation - und wies auf die negativen Folgen der Entwässerung hin. "Leider", sagt er, "ging die Wirtschaft immer vor." Dabei waren diese negativen Folgen offensichtlich. Der Gubener erinnert sich an weidendes Vieh nahe Lübben, das im Wasser stand, weil ehemalige Torfböden wieder vernässten.Für die Akademie der Wissenschaften forschte Heinz-Dieter Krausch zwischen 1961 und der Wende auch über die Lausitz und den Spreewald hinaus - im Ruppiner Land, am Stechlinsee, in der Uckermark, in Mecklenburg, an der Saale in Thüringen, im Donaudelta. Nebenher arbeitete er an der Buchserie "Werte der deutschen Heimat" mit. Dabei war der 1981 erschienene Titel "Burger und Lübbenauer Spreewald" so gefragt, dass er 1994 neu aufgelegt wurde.Krausch konnte das Erforschen und Beschreiben der Natur auch als Ruheständler nicht lassen. Er leitet Naturschützer an, erarbeitet Vegetationskarten und schreibt Bücher. Er hatte immer das Glück, in seiner Familie auf Verständnis für seine Natur-Leidenschaft zu stoßen. Seine Frau war Biologielehrerin, sein Sohn studiert Gartenbau. Erst 78-jährig trat Krausch etwas kürzer und gab vor zwei Jahren den Vorsitz der wissenschaftlichen Vereinigung "Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde" ab. Dennoch recherchiert und schreibt der 80-Jährige weiter emsig für verschiedene Heimatkalender, vor allem für den Gubener, der seit 1956 erscheint. Es vergeht kaum ein Jahr, in dem er ohne einen Artikel von Heinz-Dieter Krausch erscheint. "Das", sagt Krausch, "soll auch möglichst noch lange so bleiben."