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Zum Top-Job bei der Seleção reichte es nicht ganz. Aber Parreira, der am heutigen Mittwoch 70 Jahre alt wird, ist seit November zweiter Mann neben dem neuen Cheftrainer "Felipão" Scolari. Scolari hatte seine Unterschrift unter den Trainer-Vertrag davon abhängig gemacht, ob Parreira als Koordinator mit ins Boot genommen wird. Die beiden sind ein "Weltmeister-Duo" - Parreira machte 1994 den vierten WM-Titel für Brasilien klar und Scolari holte 2002 Titel Nummer fünf. Beiden sollen den nationalen Traum erfüllen und Brasilien 2014 im eigenen Land zum "Hexacampeão", zum Sechsfach-Champion, krönen.

Sein halbes Leben verbrachte Parreira auf dem Fußballplatz. Dem Kunstliebhaber eilt der Ruf voraus, vor allem Theoretiker zu sein. Anders als der hitzige und oft witzige Scolari zeigte sich Parreira bei Pressekonferenzen oft etwas spröde, in der Spielstrategie nach Meinung der Kritiker zu defensiv und bei Spieler-Nominierungen zu zögerlich.

Denkwürdig bleibt der Trainerposten in Südafrika zur WM 2010. Parreira legte das Amt im April 2008 nieder, kehrte nach Brasilien zurück, wo er im März 2009 als Coach bei seinem Herzensclub Fluminense unterschrieb. Drei Monate später schon wurde er dort nach einer Niederlagenserie gefeuert. Wieder drei Monate später saß er in Südafrika erneut im Chef-Trainersessel.

Mit solchen Kurz-Intervallen füllt sich die Trainer-Vita natürlich schneller. "Wir sind ein Volk von 190 Millionen Trainern", erklärte Ex-Präsident und Corinthians-Fan Luiz Inácio Lula da Silva einmal die Leidenschaft der Fußballnation. Und Parreira kennt die Konsequenz: "Das ist so: Wenn wir gewinnen, dann immer wegen des großen Talents unserer Spieler. Wenn wir verlieren, ist es die Schuld des Trainers. So ist das in Brasilien."