Zunächst lockt der böse Bube den arglosen "Kumpel", dem er viel Geld schuldet, mit dem Auto in den Wald. Er nutzt eine Pinkelpause, um mit einer Pistole auf sein völlig überrumpeltes Opfer auf dem Beifahrersitz zu schießen. Als dieses verletzt aus dem Wagen springt und flüchtet, ballert der falsche Freund mehrfach hinterher. Ein zufällig vorbeikommender Autofahrer, der den blutenden Flüchtigen zunächst mitnehmen will, rast entsetzt weiter, nachdem der vierte Schuss fällt.
Schließlich gelingt es dem glücklosen Schützen, seinen bisherigen Freund wieder ins Auto zu locken, um ihn angeblich ins Krankenhaus zu fahren. Dann aber zieht er das Lenkrad scharf nach rechts und setzt den Jeep schließlich gezielt gegen einen Baum. Der Wagen überschlägt sich, bleibt mit Totalschaden liegen, beide Insassen werden jedoch nur leicht verletzt. Die Polizei verhaftet den Täter, der Krimi ist aus. "Ziemlich konstruiert", mag mancher denken. Doch die Geschichte hat sich genauso am 27. Dezember vergangenen Jahres in einem Waldstück zwischen Strausberg und Altlandsberg (Märkisch-Oderland) abgespielt.
Zumindest, wenn man den Ermittlungsergebnissen der Frankfurter Staatsanwaltschaft glaubt, die den Bauunternehmer nun wegen fünffachen versuchten Mordes auf die Anklagebank des Frankfurter Landgerichts gebracht hat und dafür sorgen will, dass der 38-Jährigen aus Ahrensfelde (Barnim)für den Rest seines Lebens hinter Gittern bleiben muss. Anklagevertreterin Annette Bagenda beantragt gleich zum Prozessauftakt eine Sicherungsverwahrung für den Sportschützen Rene R., die er nach dem Verbüßen einer Haftstrafe antreten müsste.
Der freilich sieht die Sache ganz anders und sich als Opfer seines verräterischen Freundes Jörg B. "Das Ganze war ein Unfall", erklärt der Familienvater treuherzig auf der Anklagebank. Die Pistole, die er im Herbst 2006 auf einem Trödelmarkt gekauft und im Auto vergessen haben will, sei beim Aufräumen der Rückbank während der Pinkelpause "einfach losgegangen" und habe B. an der Schulter getroffen. "Wir waren beide geschockt, ich warf die Waffe weg und wollte Jörg so schnell wie möglich zum Arzt fahren", erzählt der Angeklagte. Dabei sei er von der rutschigen Straße abgekommen und habe die Kontrolle über den Wagen verloren.
Alles andere sei eine Erfindung seines bisherigen "Kumpels" B. Das angebliche "Unfallopfer" erzählt die Geschichte wie eingangs geschildert. Zurück in den Wagen sei er gestiegen, nachdem der Versuch, ein anderes Auto zu stoppen, gescheitert war. "Ich musste wegen der Schussverletzung ins Krankenhaus und Rene versprach, mich dorthin zu fahren", erzählt der 40-Jährige vor Gericht. Welche Version die richtige ist, muss die Beweisaufnahme ergeben.