Beate Börnigk, junge Friseuse in einem Berliner Salon und begeisterte Radfahrerin macht da keine Ausnahme. Mit ihrem kleinen schwarzen Köfferchen auf Rädern hat sie sich am Sonnabend ins Messegetümmel gestürzt. Begonnen in der Brandenburg-Halle; dann weiter zur Halle 11.2, wo neben anderen auch Sachsen seine Reiseangebote macht. „Zwei Hallen gerade mal“ , seufzt Beate Börnigk, „und nun ist der Rolli schon so gut wie voll. Die haben aber auch so viele und so interessante Radwanderangebote. Da musste ich einfach Kataloge und Flyer einsacken, um dann zu Hause in Ruhe den Sommerurlaub zu planen.“

Ehrensache für Berliner
Dass die Aussteller aus der Lausitz mit ihren Ferienofferten genau den Nerv der Messe-Besucher getroffen haben, hat sich tausendfach an den Messetagen bewiesen. Sandra Kundel vom Tourismusverband Niederlausitz hätte während der Messetage gern ein paar Hände mehr gehabt. „Jeden Tag musste ich neue Kataloge und Flyer nachordern. Die Leute haben sie mir quasi aus den Händen gerissen.“ Besonders gefragt war der 295 Kilometer lange Spreeradweg, der an der Spreequelle in der Oberlausitz beginnt und in der deutschen Hauptstadt endet. „Für Spree-Athener Radwanderer scheint das so eine Art Ehrensache zu sein, diese Strecke runterzustrampeln.“ Aber auch andere Radwanderwege finden ihre Freunde bei der ITB - der inzwischen ziemlich bekannte Gurkenradweg durch den Spreewald; aber auch so ausgefallene Touren wie die Fahrt durch die Plinsdörfer der Calauer Schweiz.
Bei den sächsischen Ausstellern macht ein niegelnagelneuer Flyer neugierig - „Die Oberlausitz per Rad“ . Da finden sich nicht nur eine Fülle von Adressen radlerfreundlicher Hotels und Pensionen sondern auch Hinweise auf professionelle Fahrradvermieter - und das rund ums Zittauer Gebirge und das Oberlausitzer Bergland und bis hinein nach Tschechien. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist für die Oberlausitzer kein Problem, wenn es ums Radwandern geht.

Radeln per Navigator
Auch die Brandenburger haben noch eine richtig gute Nachricht zum Thema Radwandern auf der ITB. Noch im März ist im Internet unter der Adresse www.radeln-in-brandenburg.de der Radnavigator Brandenburg zu finden, der Auskunft gibt über 34 mögliche Touren und mehr als 2000 Punkte von touristischem Interesse. Ab Mitte April, so ist von Birgit Freitag, Mitarbeiterin der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, auf der ITB zu erfahren, wird es eine CD-Version dieses Führers für den heimischen Computer geben. Dann kann man die nächste Radtour wirklich in aller Gemütsruhe vorbereiten.
Natürlich will nicht jeder, der hier durch die ITB-Hallen zieht, seinen Urlaub auf dem Rad oder Schusters Rappen absolvieren. Ernst Pfringer, Installateur aus Werder bei Berlin, will in den Ferien was Außergewöhnliches sehen oder erleben. Seine Frau Elfriede ist ja eigentlich wegen einer Parisreise inklusive Eiffelturm-
Besteigung mit auf die ITB gekommen. „Das aber ist mir zu weit“ , verkündet Ernst Pfringer und ist richtig glücklich, als er beim Tourismusverband Elbe-Elster-Land e.V. auf die Geschichte mit dem liegenden Eiffelturm stößt. Das ist doch was Außergewöhnliches auf so einem Stahlriesen wie der stillgelegten F 60 herumzuklettern. Davon kann man den Kollegen erzählen. Und Elfriede hat ihren Eiffelturm ganz ohne Paris. Pfringer sackt etliche Prospekte zum Thema und zur Niederlausitz ein und zieht weiter - natürlich nachher auch noch in die Frankreich-Halle. Wegen Paris.
Natürlich ist die F 60 nicht die einzige außergewöhnliche Sache, die die Lausitzer auf die ITB mitgebracht haben. Der Katalog „Lausitzer Industriekultur“ , der eine ganze Reihe von Vorschlägen zu Objekten vom Format der F 60 macht, ist an den Ständen ein absolut heißer Tipp für die ITB-Besucher. Außergewöhnlich - wenn auch in ein wenig anderer Richtung - sind zwei Veranstaltungen, die während der ITB-Tage einen Tourismuspreis erhielten - die Lübbener Aquamediale und die Lübbenauer Spreewaldkonzerte. Letztere sind für Leute, die Musik und Natur besonders eng in Einklang bringen möchten, ein Muss in den Ferien. Und die Lübbener Aquamediale findet auf der ITB viel Beachtung, weil sie in den Fließen rund um Lübben spektakuläre Kunsterlebnisse bietet - schwimmende Augen zum Beispiel oder eine versenkte
U-Bahn-Station.

Massage am Messestand
Mit interessanten Events und Projekten wirbt auch Cottbus, das in diesem Jahr sein 850-jähriges Bestehen feiert, um Touristengunst. Die Stadt, die älter als Dresden, Berlin und Leipzig ist, will besonders im Bra- nitzer Park, wo in diesem Sommer die alte Gutsökonomie des Fürsten Pückler mit einer ständigen Ausstellung wieder eröffnet wird, Besuchern das ganze Jahr über interessante Veranstaltungen bieten.
Am Spreewaldstand spielt aber während der ITB-Tage noch ein anderes Thema eine wichtige Rolle bei den Besuchern. Wellness und Gesundheit - sachkundige Informationen dazu gibt es von den Mitarbeiterinnen der Spreewald-Therme in Burg. Die ITB-Besucher erhalten Tipps zum richtigen Baden, können sich mit kosmetischen Produkten, die Gurkenextrakte und Spreewaldalgen enthalten, vertraut machen oder sich als Vorgeschmack auf einen Kururlaub in Burg auch von fachkundigen Händen massieren lassen.
50 Kultureinrichtungen Sachsens haben sich auf der ITB zu einem Kulturboulevard zusammengefunden. Mit dabei waren die Kunstsammlungen Dresden, das Europäische Zentrum der Künste Hellerau, das Bach-Archiv Leipzig, der Dresdner Kreuzchor und die Chemnitzer Kunstsammlungen. Touristische Routen wie die "Via Sacra", die im Dreiländereck Oberlausitz-Polen-Tschechien zu 16 bedeutenden Bauwerken führt, sowie die Europäische Henry-van-de-Velde-Route, die entlang architektonischer Kostbarkeiten des Jugendstils verläuft, fanden starke Beachtung. Der Kulturboulevard wurde mit dem Preis "Best Exhibitor Award ITB" in der Kategorie deutsche Aussteller ausgezeichnet.