Es wird gewerkelt in Frauendorf. Entlang der von Linden gesäumten Hauptstraße reihen sich die Bauschilder. Mal wird auf den Bau einer Straße hingewiesen oder auf den eines Einfamilienhauses, mal auf die Möglichkeit, neues Bauland zu erwerben.
780 Einwohner zählt die Gemeinde des Amtes Ortrand. Die Fassaden leuchten in hellen Pastelltönen mit den gepflegten Blumenrabatten in den Vorgärten um die Wette. Obwohl auch hier viele Junge in den Jahren in Richtung Westen wanderten, zogen neue nach - vor allem aus dem nahen Dresden.
„Auf jedem Hof ist was los“ , freut sich Mirko Friedrich. Der 32-Jährige ist seit 1998 Frauendorfer Bürgermeister. Als er damals antrat, galt er mit seinen 24 Jahren als der jüngste Brandenburgs. Seitdem hat er vieles erreicht: Auf dem Bauernmarkt im Frühjahr und Herbst vermarkten die heimischen Kleinerzeuger ihre Produkte, 2001 wurde Frauendorf in das Dorferneuerungsprogramm des Landes aufgenommen, erhielt 2002 beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ die Ehrenurkunde, 2005 den dritten Platz. Und der Kindergarten wurde dank ihm nicht geschlossen, sondern saniert und aufgestockt. Das muss auch sein. Der Bedarf ist groß: Die Internetseite der Gemeinde lockt Familien mit einem Rundum-Grundstücks-Service, sich anzusiedeln. Friedrichs neuestes Projekt: die Lindenallee, die sich durch das Dorf zieht, wieder zu vervollständigen. Während in anderen Dörfern der alte Baumbestand schon der Kettensäge zum Opfer fiel, möchte Friedrich 200 neue Linden pflanzen.
„Ich staune manchmal selbst , was hier alles passiert.“ Den Anflug von Stolz lacht er bescheiden weg: „Es geht ja nur, wenn alle Vereine im Dorf zusammenspannen.“ Und das habe man in Frauendorf getan: Der Seniorenclub, der Jugendclub, der Traditions- und der Sportverein - Friedrich kommt mit dem Aufzählen nicht mehr hinterher: „Weil sich alle gut kennen, ist der Zusammenhalt stark, etwas zu erreichen“ , wagt er eine Erklärung.
Gisela Liback hat eine andere: „Der ist auf Zack.“ Die Mittsechzigerin lehnt sich auf ihre Harke vor der frisch geschorenen Hecke und beobachtet den jungen Bürgermeister, der mit einem diskutierenden Trupp an ihr vorbei in Richtung Gemeindehaus eilt: „Bauberatung“ , sagt er augenzwinkernd, sie nickt verstehend. Gisela Liback hat ihr ganzes Leben in Frauendorf verbracht. „Jetzt sind wieder viele junge Leute da“ , sagt sie. Und einige von denen kenne sie noch gar nicht. Und das sei so, weil der Bürgermeister sich für alles höchst persönlich einsetze.
„Ich möchte über alles informiert sein, was im Dorf geschieht“ , begründet Friedrich und lacht: „Was ich in den Jahren alles gelernt habe, ist immens. So viele Informationen aus allen Bereichen fliegen täglich an mir vorbei. Ich muss sie nur auffangen.“ Kräftezehrend sei das Ehrenamt schon und Zeit für Privatleben bleibe nicht. Doch den Schritt bereut habe er nie. Als ihn sein Weg nach seiner Schulzeit in Dresden und Lehre sowie späterer Anstellung in Leipzig wieder als Sachbearbeiter in der Stadtverwaltung Lauchhammer nach Frauendorf zurückführte, sei ihm klar gewesen, dass er etwas bewirken wolle. Schon seine Mutter Erika hatte im Gemeinderat gesessen: „Frauendorf war bei uns immer Thema.“ Damit Friedrich das Tagespensum auch schafft, beginnt sein Arbeitstag morgens um sieben Uhr in der Kämmerei Lauchhammer.
Gudrun Petzold, Leiterin des Seniorenclubs und der Bibliothek, hofft, dass Friedrich noch eine weitere Amtsperiode erhalten bleibt: „Er fährt mit dem Rad durchs Dorf und hat für jeden ein persönliches Wort.“ Sie ist überzeugt: „Unser Bürgermeister bringt Jung und Alt zusammen. So hat Frauendorf eine Zukunft.“

Steckbrief Junior mit Herz für das Gemeinwohl
Geboren am 6. November 1973 in Lauchhammer (Kreis Oberspreewald-Lausitz)
Familie: ledig
Beruf: Lehre zum Industriekaufmann, heute Sachbearbeiter in der Stadtverwaltung Lauchhammer
Größte Niederlage: Gibt es nicht, selbst wenn ich einen Bruchteil von dem erreicht habe, was ich mir vorstelle, habe ich etwas erreicht.
Größter Erfolg: Als Frauendorf 2001 in die Dorferneuerung aufgenommen wurde
Zuletzt geärgert habe ich mich, dass es der „großen Politik“ nicht gelingt, mehr Arbeitsplätze in unserer Region zu schaffen und damit der Abwanderung entgegenzuwirken
Zuletzt gefreut habe ich mich, dass es gelungen ist, für den 7. Oktober beim Bauernmarkt mit Partnern die erste Grundstücks- und Gebäudebörse im Gemeindeamt zu präsentieren
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir eine komplette Lindenallee durch Frauendorf wünschen
Lebensmotto: „Der Weg ist das Ziel“ und „Nichts ist unmöglich“
Vorbilder: keine