Ein Jahr nach dem Mönchsaufstand, der ein paar Wochen die Hoffnung auf ein Ende einer der brutalsten Diktaturen der Welt nährte, ist in Birma alles beim alten. Selbst der verheerende Zyklon, der die Küstenregion im Mai heimsuchte und mehr als 138 000 Menschen das Leben kostete, hat den Militärapparat nicht destabilisiert.

Gnadenlos ließen die Generäle mehr als eine Million Menschen wochenlang im Irrawaddy-Delta zwischen zerstörten Häusern und Leichenbergen sitzen. Ausländer, die vor der Küste und in Nachbarländern mit tonnenweise Hilfsgütern in den Startlöchern saßen, durften lange nicht, und dann nur vereinzelt ins Land. Das Militär behielt ungeachtet der Proteste aus aller Welt das Heft in der Hand - wie vor einem Jahr.

Im September 2007 herrschte Aufbruchstimmung in Rangun. Nach Jahrzehnten unter der Militärknute platzte den Birmanen der Kragen. Zuerst demonstrierte nur eine Handvoll gegen Preiserhöhungen, dann protestierten Mönche gegen den schroffen Polizeieinsatz. Und plötzlich regte sich überall Widerstand: Am 20. September gingen noch ein paar Hundert Mönche in Rangun auf die Straße, am 23. schwoll der Proteststrom durch normale Bürger schon auf 15 000, am nächsten Tag auf 30 000 und schließlich auf mehr als 100 000 Menschen an.

Fast drei Wochen sahen die Militärmachthaber tatenlos zu, am 26. September schlugen sie dann zu. Erst gingen sie mit Schlagstöcken auf die Mönche los, dann feuerten sie mit Gummigeschossen und schließlich mit echter Munition. 31 Leute, heißt es später nach einer UN-Untersuchung, seien ums Leben gekommen, doch glauben Exilgruppen, dass es viele Dutzend mehr waren. Klöster wurden gestürmt, Mönche blutig geschlagen und in Foltergefängnisse gesteckt. Ein Aufschrei der Empörung ging um die Welt. Die Generäle versprachen unter dem Druck einen Dialog mit der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die unter Hausarrest steht. Heraus kam dabei nichts.

Exil-Birmanen und die Oppositionspartei NLD sind frustriert. Als der UN-Sondergesandte Ibrahim Gambari in diesem Sommer wieder in Birma war, weigerte sich Suu Kyi aus Protest, ihn zu sehen. "Die Menschenrechtssituation hat sich kein bisschen gebessert und der Demokratisierungsprozess ist nicht vorangekommen", urteilt der birmanische Verband für politische Gefangene (AAPP) im Exil in Thailand. "Im Gegenteil, die politisch begründeten Festnahmen sind dramatisch angestiegen." 286 Aktivisten seien in diesem Jahr schon festgenommen worden, allein 39 im August. "Wie viele müssen noch festgenommen werden, damit die Vereinten Nationen kapieren, dass die Leute, mit denen sie verhandeln, nichts anderes als illegale und brutale Diktatoren sind?"

Nach Angaben des Verbandes gibt es mehr als 2000 politische Gefangene in Birma. Einer von ihnen war Bo Kyi, der Gründer des Verbandes. Er überlebte sieben Jahren in den Folterkammern, ehe er sich ins Ausland absetzen konnte. Human Rights Watch zeichnete ihn geraden mit dem Preis als Menschenrechtsverteidiger 2008 aus.

In Birma gehen die Repressalien weiter. Gut 200 Mönche sind nach Informationen des Verbandes für politische Gefangene noch hinter Gittern, vor zwei Wochen demonstrierte der Geheimdienst mit einer Razzia im Malayone-Kloster in Rangun wieder seine Macht. Die 17 Mönche wurden mit dem Gesicht in den Dreck gedrückt, der Abt abgeführt.