Die Tiere wurden zu Tode gehetzt, würde man heute vermuten. Damals jedoch stand für die Bernauer fest, dass dieses Unglück nur durch Hexerei herbeigeführt worden sein konnte.

Beispiellose Verbrennungen
"Mit diesem Vorfall", erzählt Historikerin Birgit Schädlich, "begann in der Stadt die Hoch-Zeit einer beispiellosen Hexenverfolgung." 22 Fälle denunzierter, grausam gefolterter und schließlich bei lebendigem Leibe verbrannter Männer und Frauen haben die Historikerin und die Wandlitzer Künstlerin Annelie Grund bereits herausgefunden. "Bis heute fehlt ein respektvoller Umgang mit diesem dunklen Kapitel der Stadtgeschichte", sind sich beide einig. Statt dessen werde das Mittelalter seit der Wende romantisch verklärt dargestellt: Mit den Bernauer Hussitenfestspielen, dem traditionellen Schwertkämpfertreffen und Walpurgisnächten in der Region. Dabei spielen auch Darstellungen von Hexen auf dem Scheiterhaufen eine Rolle. "Bis heute", sagt Schädlich, "stehen die verfolgten Opfer als Unholde in der Stadtchronik."
Das wollen Historikerin, Künstlerin und weitere Mitstreiter jetzt ändern. Sie haben mit Unterstützung des Bran-denburger Verbandes Bildender Künstler das Konzept für ein Denkmal entworfen, dass in Bernau an die Opfer der Hexenverfolgung erinnern soll. In Ostdeutschland wäre es das erste seiner Art, erklärt Schädlich, ist doch dieser Teil der Geschichte in den neuen Bundesländern noch recht unerforscht. Denn nach ihren Recherchen waren es meist unschuldige Bürger, die in den Folterkammern oder auf Scheiterhaufen starben. Hinter der Hysterie steckte damals nicht etwa die katholische Kirche, sondern Missgunst, Neid und Aberglaube, sagt Schädlich. "Das Denunzieren durch Nachbarn, die es teilweise auch auf Besitz und Erbe der Beschuldigten abgesehen hatten, machte die Hexenprozesse in Bernau erst möglich."

Opfer sind namentlich erwähnt
Als Grundlage heutiger Nachforschungen dient ihnen die Bernauer Chronik von Tobias Seiler, im 18. Jahrhundert Probst in der Stadt. Über vier Jahrzehnte lang hat er alle schriftlichen Dokumente zur Stadtgeschichte zusammengetragen und ausgewertet. In seiner Chronik sind die Hexenprozess-Opfer nicht nur namentlich erwähnt, sondern auch Auszüge aus den Folterprotokollen aufgeführt.
Daraus geht hervor, dass die angeblichen "Teufelsweiber" mit Zangen und glühenden Eisen traktiert wurden, damit sie die Namen weiterer Hexen preisgaben. Auch dadurch landete so mancher Unschuldige auf dem Scheiterhaufen.
Die Historikern vermutet ein noch viel größeres Ausmaß, sind doch in der Chronik weitere Hexenverbrennungen erwähnt, ohne die Opfer beim Namen zu nennen. Aufschluss könnten weitere Bernauer Prozessprotokolle geben, die damals zur juristischen Begutachtung an die erste Brandenburgische Landesuniversität Viadrina nach Frankfurt (Oder) geschickt worden waren und als verschollen gelten. Schädlich hofft im Stadtarchiv der Oderstadt auf neue Erkenntnisse zu stoßen.
"Durch die Erinnerung versuchen wir, ihnen ihre Menschenwürde wiederzugeben", erklärt Künstlerin Grund, die ihre Denkmal-Idee angesichts heutiger Ausgrenzungen und Verfolgungen für durchaus zeitgemäß hält.
Das etwas drei Meter hohe Denkmal soll also ein Denkanstoß werden und bis zum Spätherbst realisiert werden. Der Kulturland Brandenburg e. V. will finanzielle Mittel bereitstellen. Einen Entwurf hat Künstlerin Grund bereits gemacht: zwei nach oben gerichtete Edelstahl-Stelen enden in Flügeln aus zerbrochenem Glas. "Sie symbolisieren Schmerz und Verletzlichkeit, aber auch gleichzeitig Hoffnung."