Schön oder nicht, da scheiden sich die Geister. Wie ein angeknackster Würfel sieht das "Energetikhaus 100 autark" aus. "Die Form folgt der Energie", sagt Christoph Singer von der Chemnitzer Baufirma Fasa AG. Und die Energie der Sonne entfaltet sich eben am besten auf der Südseite bei 70 Grad Dachneigung.

"Wir haben nichts anderes gemacht, als die typische Bauhausform auf 70 Grad zu kippen", das zeigt Singer mit einem Blatt Papier. Was herauskam, ist zwar schräg, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Es kann den Stromverbrauch zu 110 Prozent decken. So zumindest sagen die Chemnitzer Entwickler. Der Prototyp des möglicherweise ersten autarken Solarthermie-Hauses steht seit Kurzem in der Solarsiedlung in Rabenstein bei Chemnitz. Noch wohnt niemand drin.

Hereinspaziert: Das Rabensteiner energieautarke Solarthermie-Haus hat eine Wohnfläche von 140 Quadratmetern. Für Wärme sorgt eine 60 Quadratmeter große Fotovoltaik-Anlage auf dem Süddach. Den Strom erzeugt das Carport-Dach. Der Sonnenstrom wird tagsüber erzeugt und fließt direkt in den Haushalt. Was nicht verbraucht wird, speist den Akku. Sogar Elektroautos und E-Bikes können über die Anlage geladen werden, verspricht das Unternehmen.

"Wir haben nach alternativen Lösungen für die Hauptstromverbraucher gesucht", sagt Singer. Also Herd, Waschmaschine, Geschirrspüler. Weil die im Haus durch Solarthermie mit Warmwasser versorgt werden, fällt der Energieverbrauch für die Heizspiralen dieser Geräte schon mal weg. Wenn die Sonne mal nicht scheint, dann soll der Strom aus dem Speicher fließen. Der Kamin im Wohnzimmer sorgt zusätzlich für Wärme.

An die 3000 Euro Heizkosten spare das Haus im Jahr, sagt Christoph Singer. Zudem fallen Stromkosten von mindestens 800 Euro weg. Die Ersparnis hat indes ihren Preis. Acht bis zehn Prozent Mehrkosten müssen Bauherren für das autarke Haus einplanen gegenüber vergleichbaren Eigenheimen. "Nimmt man das alles zusammen", so der Vertriebsleiter, "kann man sagen: Nach acht bis zehn Jahren verdient das Haus Geld." Genau da hakt es bislang auf dem Markt. Solarthermisch beheizte Häuser, die den sommerlichen Wärmeüberschuss maximal ausnutzen, erreichen je nach Kollektorfläche einen Deckungsgrad zwischen 50 und knapp 100 Prozent. Ohne zweite Heizquelle - wie einen Kamin - kommen sie noch nicht aus.

Allerdings: Eine 100-prozentige Auslegung erfordert nach Informationen der Sächsischen Energieagentur (SAENA) für ein Einfamilienhaus mindestens 70 Quadratmeter Kollektorfläche und einen Speicher mit 40 Kubikmetern Kapazität, der mit 30 Zentimetern gedämmt ist.

Wirtschaftlich ist das noch nicht. Am nächsten dran ist das sogenannte Energetikhaus 100, das die Fasa AG seit 2003 entwickelt hat. Etwa 50 dieser Häuser wurden bislang bundesweit gebaut - 15 davon auf dem Solar-areal Rittergut Rabenstein, das 2013 für den Umweltpreis des Freistaates Sachsen nominiert war.