Voscherau ist im Alter von 75 Jahren in der Nacht auf Mittwoch an den Folgen eines Hirntumors gestorben. Er hinterlässt ein bedeutendes Erbe: den neuen Stadtteil Hafencity an der Elbe.

Das Haar silbrig weiß, helle Augen und ein jugendliches Gesicht, so bleibt der SPD-Politiker in Erinnerung. Voscherau, der von 1982 bis 1997 die SPD-Fraktion in der Bürgerschaft führte, war 1988 ins Amt des Ersten Bürgermeisters gewählt worden. In die SPD war der Spross einer Hamburger Schauspielerfamilie 1966 eingetreten.

Dass Voscherau 1997 einen Schlussstrich unter seine politische Karriere zog, hinderte ihn nicht, sich weiter einzumischen, etwa in der Drogenpolitik, beim umstrittenen Kohlekraftwerk Moorburg oder für weitere Elbvertiefungen.

Voscherau, am 13. August 1941 in Hamburg geboren, galt als enger Freund von Altkanzler Helmut Schmidt (SPD, 1918-2015) und dessen Ehefrau Loki (1919-2010). Er hielt im Hamburger Michel die Trauerrede auf Loki und stand dem Altkanzler bei. Geschliffene Reden, auch aus dem Stegreif, zeichneten ihn aus.

Die Bundesnotar-Ordnung nötigte den promovierten Juristen und verheirateten Vater von drei Kindern damals im Alter von 70 Jahren dazu, seinen geliebten Beruf 2011 an den Nagel zu hängen. Er wechselte zur Bürogemeinschaft seines Sohnes, des Immobilienanwalts Carl Christian Voscherau, um dort als Berater im Grunde weiterzumachen wie bisher. Nicht jeder war erfreut, als sich Voscherau 2012 auf Vorschlag des russischen Energieriesen Gasprom zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Gasprojekts South Stream wählen ließ. Das Projekt wurde jedoch 2014 vom russischen Präsidenten Wladimir Putin gestoppt.

Kurz darauf übernahm Voscherau in Deutschland den Vorsitz der neuen Mindestlohnkommission, nachdem er zuvor bereits Schlichter war bei Tarifverhandlungen zwischen der Telekom und der Gewerkschaft Verdi.