Teichwirt Armin Kittner ist gespannt. In wenigen Wochen beginnt er mit dem Abfischen seiner Teiche in Petershain im Landkreis Görlitz. Dann, so hofft er, zappeln neben Karpfen, Schleien und Hechten zum ersten Mal auch viele Exemplare des Emma-Fisches in den Netzen. Diese stammen aus einem Experiment, das er vor drei Jahren begann, um dem Feind der Fischer- dem Kormoran - die Jagd zu erschweren.

Gemeinsam mit einem holländischen Partner kreuzte Kittner Schuppenkarpfen mit Karauschen. Der Neuzüchtung gab er den Namen seiner Tochter: Emma. Die Kreuzung stellte der Teichwirt zum ersten Mal während der Eröffnung der Sächsischen Karpfenwoche im September 2013 vor. Danach wurde es ruhig. "In der ersten Zeit interessierte sich kaum einer meiner Fischerkollegen für die neue Art. Doch das hat sich in den letzten Wochen und Monaten geändert", berichtet Kittner.

Die ersten Lieferungen von Satzfischen hat der Teichwirt auf den Weg gebracht. Er ist überzeugt von den Vorzügen des Emma-Fisches: Das Fleisch sei wohlschmeckend, der Fisch weniger anfällig für Krankheiten wie das gefürchtete Koi-Herpesvirus. Der Emma-Fisch habe eine breitere Form und einen höheren Rücken und sei für den Kormoran dadurch schwerer zu erbeuten und zu verschlingen. Weil die Fische sich zudem gern am Grund der Teiche sowie im Schilfgürtel tummelten, würden sie nicht so leicht zur Beute.

"Je hochrückiger der Fisch, desto schwieriger ist es für den Kormoran, ihn zu verschlingen", bestätigt Marco Jung, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes. Schuppenkarpfen und Karauschen seien beide Karpfenarten, für eine Kreuzung daher geeignet. Eine Genehmigung für die Neuzüchtung bedarf es nach Angaben der Landesfischereibehörde nicht. "Kreuzungen sind erlaubt", erklärte Referatsleiter Gert Füllner. Ganz neu sei die Idee, Karausche und Schuppenkarpfen zu kreuzen, allerdings nicht. Selbst in der Elbe seien solche als "Bauernkarpfen" bekannte Kreuzungen früher natürlich vorgekommen. "Kormorane sind für Teichwirte durchaus ein Problem", so Füllner. Nach Einschätzung des Experten kann das aber nicht durch solche Neuzüchtungen gelöst werden.

Für Teichwirt Kittner dagegen scheint die Rechnung aufzugehen: Etwa ein Drittel weniger Verluste verbucht er nach eigenen Angaben in seinen Teichen. Seit 1992 bewirtschaftet er 43 Teiche, rund um Petershain, Horscha und See in der Oberlausitz. Die Zahl der Kormorane, Grau- und Silberreiher, Seeadler und Fischotter steige.

Laut einem Monitoringbericht des Sachsenforstes wurden im Land im Oktober 2013 insgesamt 3865 Kormorane gezählt. Damit sind die Bestände zwar seit 2011 leicht gestiegen. Allerdings gab es 2007 auch schon einmal mehr als 4800 Tiere. Die Bestände schwankten abhängig von Witterung und Nahrungsangebot, hieß es. Für den Fischotter gibt es keine genaue Zahlen für Sachsen.

Laut Umweltministerium gibt es in Sachsen 56 Berufsfischereibetriebe und rund 200 Betriebe im Nebenerwerb. Hinzu kommen rund 8500 Hektar Karpfenteiche, 2245 Hektar Seen und zahlreiche Forellenteiche, in denen gefischt wird. Viele von Kittners Kollegen klagen über den Kormoran.

Der Kormoran darf zwar in einem Umkreis von 200 Metern um die fischereiwirtschaftlichen Anlagen gejagt werden. Nur in der Zeit zwischen dem 1. April und dem 15. August ist eine Sondergenehmigung der Naturschutzbehörde notwendig. Für Kittner gehört deshalb die Jagdflinte zur gewohnten Ausrüstung. Auf etwa 20 bis 30 Prozent beziffert Kittner seine jährlichen Verluste. Laut Umweltministerium wurden im Vorjahr rund 1900 Kormorane in Sachsen abgeschossen - etwas mehr als 2013. Die Kormorane lassen sich aber auch dadurch nur für kurze Zeit vertreiben, berichtet Kittner. "Entweder der Schwarm fliegt zum nächstgelegenen Teich oder fällt wenige Minuten später erneut am Abschussort ein." Für die Teichwirtschaft in Petershain ist die Lage auch deshalb schwierig, weil sich in nur wenigen Kilometer Entfernung die größte Brutkolonie der Kormorane in Sachsen befindet. Am Reichendorfer Teilbecken des Quitzdorfer Stausees wurden bei jüngsten Zählung rund 300 Brutpaare gezählt.

"Das Gebiet hier ist attraktiv, weil die Tiere bequem an Nahrung kommen", erklärt Forstingenieur Dirk Weis vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Das Schutzgebiet gilt als das größte zusammenhängende Teichgebiet Deutschlands. Hier kennt man die Sorgen der Teichwirte und muss sie mit dem Naturschutz in Einklang bringen.

Die Teiche seien die Voraussetzung für eine artenreiche Fauna vor Ort, so Weis: Die Vögel seien nicht nur Fischräuber, sondern spielten auch eine positive Rolle, wie die rund 60 Seeadlerpärchen als "Gesundheitspolizei". Die Vögel seien verstärkt an Teichen mit einem kranken Fischbestand zu beobachten. Der Graureiher vertilge Mäuse,"