"Wirklich schade, dass er nicht selber kommt", sagt Kerstin Gosewisch. Nein, George Clooney beehrt Görlitz nicht mit seinem Besuch, die Dreharbeiten in der Stadt für seinen aktuellen Film "The Monuments Men" werden mit Komparsen bestritten. Immerhin, aber spätestens seit letztem Winter ist Deutschlands östlichste Stadt Besseres gewohnt.

Die Dreharbeiten für "The Grand Budapest Hotel" brachte zwischen Oktober 2012 und März 2013 eine nie dagewesene Starschwemme. Ralph Fiennes und Jude Law waren da, Tilda Swinton, Willem Dafoe, Jeff Goldblum aßen im edel-rustikalen Patrizierhaus St. Jonathan und kauften Brötchen beim Bäcker. Sie alle spielten in der 23 Millionen Euro teuren Produktion des Hollywood-Regisseurs Wes Anderson Gäste und Angestellte eines Grand-Hotels in den 1920er-Jahren. Das Hotel wiederum wurde gespielt vom Jugendstil-Warenhaus, der schönsten und berühmtesten Görlitzer Immobilie, die nach jahrelangem Leerstand vor wenigen Tagen verkauft wurde.

Ort mit Patina

Görlitz selbst hat schon viele Städte gespielt: New York, Berlin, Frankfurt, Paris, Heidelberg und München. Die Location-Scouts der Produktionsfirmen schätzen das heile Stadtbild aus 4000 Baudenkmalen, in dem quasi jede Epoche der westlichen Geschichte ohne großen Aufwand gedreht werden kann. Als "Ort mit Patina", als Mischung aus urbanem Flair alter Zeiten und provinzieller Ruhe hat sich Görlitz einen Platz auf der Landkarte bevorzugter Drehorte erkämpft.

Von Vorteil sind dabei auch die günstigen Preise inmitten einer strukturschwachen Region. Kaum Leuchtreklamen in der Innenstadt, die für die Kamerateams abgebaut werden müssten. Dafür kann jedes Straßenschild abgenommen, jeder Poller im Boden versenkt werden.

Neben dem Hauch Hollywood verschaffte Regisseur Anderson der schönen, aber schrumpfenden Oberlausitzer Metropole einen "Boom außerhalb der Hauptsaison", sagt Lutz Thielemann, Chef der städtischen Gesellschaft für Wirtschaftsentwicklung, Stadtmarketing und Tourismus. Den ganzen Winter über waren die Hotels voller Kameraleute, Filmassistenten und Schauspieler und die Restaurants voller Neugieriger, die Stars gucken wollten. "So eine Produktion ist auch ein Wirtschaftsfaktor", betont Thielemann, "aber die touristische Befassung ist vor Ort noch nicht sehr weit."

Daraus dauerhaft etwas zu machen, das ist die große Herausforderung, die Görlitz jetzt anpackt. Eine wesentliche Investition in die Zukunft als Edelkulisse ist Kerstin Gosewisch. Die 43-jährige ehemalige Stadtsprecherin kümmert sich seit knapp einem Jahr hauptamtlich um die Organisation von Dreharbeiten. Sie verschafft den internationalen Teams Genehmigungen und bringt die Regisseure mit Polizei und Ordnungsamt in Kontakt, damit die Teams in der malerischen Stadtkulisse ungestört arbeiten können. "Es hat sich bewährt, dass sowas aus einer Hand geplant wird", sagt Gosewisch.

Auch denkt man bei der Stadt inzwischen laut über ein Filmmuseum nach. "Es geht darum, das Thema Film für Besucher fassbar und erlebbar zu machen", sagt Marketingchef Thielemann. Wenn nicht gerade berühmte Schauspieler durch die Straßen laufen, gibt es hier keinen Fixpunkt für Filmfans. Ihm schwebt ein Haus vor wie die Deutsche Kinemathek in Berlin, mitsamt Archiv und wissenschaftlicher Arbeit rund um das Thema Film.

Keine Studios

P roblem dabei: Görlitz ist zwar eine beliebte Außenlocation, aber kein Produktionsstandort mit Studios. Zudem stellt das Vorhaben für eine Stadt mit nur 54 000 Einwohnern ein Risiko dar: "Wenn man hier eine Infrastruktur schafft, die dann nur teilweise nachgefragt wird, wäre das fragwürdig", sagt Thielemann. Denkbar wäre da eher, im Museum für Fotografie eine Etage zur Görlitzer Filmgeschichte einzurichten .

Zunächst erstmal hat sich die Stadt den Kunstbegriff "Görliwood" schützen lassen, um ihn auf Postkarten und Kaffeetassen drucken zu können. Die großen internationalen Produktionen wie "Der Vorleser" oder "Inglourious Basterds" haben der Stadt Bekanntheit verschafft.

D as Tagesgeschäft der städtischen Filmkoordinatorin Gosewisch setzt sich eher aus Fernsehfilmen wie "Nicht mit mir, Liebling" zusammen. Nichts Großes, "aber mit wirklich schönen Aufnahmen vom Untermarkt und der Altstadt", sagt sie. "Das hat ein Bild von der Stadt vermittelt, das einfach positiv war. "