Kein Wunder, dass der FCE-Trainer und das Team vor allem die positiven Aspekte eines unterhaltsamen Spiels hervorhoben, denn die gab es reichlich. Nur eines macht weiter große Sorgen: die vielen Fehlschüsse vor dem Tor.

Nürnbergs Trainer Hans Meyer, an dem zweifellos ein Entertainer verloren gegangen ist, mühte sich in der Pressekonferenz nach Kräften, die Stimmung seines Kollegen Petrik Sander wieder etwas anzuheben. Meyer lief, anders als seine Mannschaft zuvor auf dem Rasen, zur Hochform auf. Er philosophierte über den Fußball-Gott („Er gleicht irgendwann alles wieder aus“), die angeblich fehlenden Brötchen im Presseraum („Wie im vergangenen Jahr: Wieder nichts zu fressen für mich“), die zwei falschen Einwürfe seines Verteidigers Jan Kristiansen („Daran müssen wir hart arbeiten“) und das Herkunftsland seines Torhüters Jaromir Blazek („Tschechoslowakei. Sagt man das heute noch so?“). Alles ohne Erfolg.

Wirklich lachen konnte Sander darüber nicht. Er saß neben Meyer auf dem Podium und hielt sich die Faust vor den Mund. Am liebsten hätte er wahrscheinlich hineingebissen, was eine nachvollziehbare Reaktion auf den Spielausgang gewesen wäre. „In kämpferischer und spielerischer Hinsicht kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat vieles von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Aber uns fehlt im Moment einfach das notwendige Glück“, betonte Sander. Kapitän Timo Rost legte den Finger noch deutlicher in die Wunde: "Wir schießen einfach zu wenig Tore." Die Mannschaft habe viel investiert. Doch "wurden wir leider nicht belohnt."
Wie schon gegen Bochum erlebten die 15 089 Zuschauer auch gegen Nürnberg wieder ein Festival der Fehlschüsse. Hier ein kleiner Auszug: 1. Minute: Nach einem Kioyo-Freistoß springt der Ball zu Rost, doch der scheitert an Nürnbergs Torhüter Blazek. 14. Minute: Rangelov verzieht aus guter Position. 38. Minute: Der Distanzschuss von Rost klatscht an den Innenpfosten. 53. Minute: Erst scheitert Kioyo per Kopf, dann Rangelov im Nachschuss und kurz danach Sörensen. 68. Minute: Wieder Kopfball Kioyo, wieder hält Blazek.
92. Minute, Nachspielzeit: Rost will Blazek umkurven, bleibt aber am Nürnberger Keeper hängen.
Energie hatte den Gegner über weite Strecken im Griff, scheiterte aber erneut an der eigenen Abschlussschwäche. Mehr als der umstrittene Elfmetertreffer von Dennis Sörensen in der 14. Minute gelang nicht.

"Wir können mit diesem Punkt zufrieden sein. Denn wir haben nur selten souverän gespielt" , sagte Nürnbergs Trainer Meyer, diesmal ausnahmsweise ganz ernst.
Vor allem in der ersten Halbzeit setzte Energie die Franken unter Druck. Auch die Umstellungen bei Personal und Taktik machten sich bezahlt. Der Kämpfer Steffen Baumgart war ein Gewinn für das Team. Im defensiven Mittelfeld feierte Christian Bassila nach nervösem Start ein ordentliches Debüt. Er schloss die Lücken und war eine gute Ergänzung zum offensiver orientierten Rost. Immer wieder wurde mit viel Einsatz der Ball erobert. Was fehlte, war allein der erfolgreiche Abschluss der Kombinationen.
Die Fehlschüsse sorgten dafür, dass die Partie kurz vor Schluss eine überraschende Wende nahm und für Energie sogar tragisch hätte enden können. Denn nach dem Ausgleich durch Andreas Wolf (85.) erzielte Nicky Adler in der 88. Minute das zweite Tor für Nürnberg. Sein Treffer fand jedoch keine Anerkennung.

Fazit: Wenn sich eine Mannschaft den Sieg verdient hatte, dann der FCE. Aber im Fußball zählen eben nunmal nur die erzielten Tore.