Seine Wahl setzt den Trend in Lateinamerika zugunsten der Linken fort. Bedenken, er kämpfe für einen Sozialismus nach dem Vorbild Venezuelas, weist Funes aber zurück. "Heute haben die Bürger triumphiert, die an die Hoffnung glaubten und die Angst besiegten", sagte Funes nach seinem Wahlerfolg am Sonntag. "Das ist der Sieg des ganzen Volkes von El Salvador." Sein Wahlerfolg sei "die Chance für die Außenseiter und die wirklichen Demokraten", versicherte der FMLN-Kandidat. Ein Meer aus Tausenden rot gekleideten Anhängern jubelte ihm in San Salvador zu und feierte den Machtwechsel mit dem Ruf "Ja, wir konnten". Vor Funes hatten seit 1989 drei FMLN-Kandidaten vergeblich versucht, die Herrschaft der rechtsgerichteten Republikanisch-nationalistischen Allianz (Arena) zu beenden. Mit Funes hatte der erste FMLN-Kandidat Erfolg, der nicht aktiv im Bürgerkrieg von 1980 bis 1992 mitgekämpft hat. Neutral konnte er in dem Konflikt mit mehr als 70 000 Todesopfern jedoch nicht bleiben. Direkt zu Beginn wurde sein älterer Bruder Roberto, ein Studentenführer, von der Polizei ermordet. Als erster ausländischer Staatschef gratulierte der venezolanische Präsident Funes zum Wahlsieg. Das Ergebnis sei Ausdruck einer "historischen Strömung" in ganz Lateinamerika, ließ Hugo Chávez mit Blick auf die Wahlsiege von Linkspolitikern in den vergangenen Jahren erklären. Funes betonte jedoch, dass er mit Chávez, dem Vorkämpfer eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", nicht viel gemein hat. Er werde unermüdlich für die Freiheit kämpfen, insbesondere für das Recht auf Privateigentum und für Rechtssicherheit, sagte er nach der Wahl. Der rechtskonservative Präsidentschaftskandidat, der frühere Polizeichef Rodrigo Avila, hatte Funes wiederholt vorgeworfen, ein Jünger von Chávez zu sein. Funes bezeichnet sich zwar selbst als einen Mann mit linken Positionen, identifiziert sich aber mit gemäßigteren Linkspolitikern wie dem brasilianischen Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva. An eine politische Karriere hat der fünffache Vater Funes lange nicht gedacht. Nach einem Literaturstudium mit Schwerpunkt Kommunikationswissenschaften an einer Jesuitenuniversität begann er 1985 seine journalistische Karriere beim staatlichen Fernsehen. Er wurde Nachrichtenchef und machte sich mit der Sendung "Interview des Tages" über 14 Jahre hinweg einen Namen als scharfsinniger, hartnäckiger Interviewer. 1991 wechselte Funes zum spanischsprachigen Programm des US-Senders CNN und gab den Job erst im September 2007 auf, um Präsidentschaftskandidat der FMLN zu werden. Nun will Funes die Wirtschaft seines Landes "zur dynamischsten Zentralamerikas" machen. Ihm steht viel Arbeit bevor. Das Handelsbilanzdefizit El Salvadors betrug vergangenes Jahr 5,2 Milliarden Dollar. Außerdem kämpft das Land mit einer echten Arbeitslosenrate von fast 40 Prozent. Da seine FMLN im Parlament zwar stärkste Kraft ist, aber keine absolute Mehrheit hat, muss Funes außerdem Mitstreiter suchen. Um Vertrauen werben muss Funes auch bei den USA, die in El Salvadors Wirtschaft eine wichtige Rolle spielen. Eine Gruppe von US-Parlamentariern hatte gewarnt, ein Sieg von Funes könne "unsere nationale Sicherheit" gefährden. Das State Department in Washington erklärte jedoch, das Wahlergebnis werde respektiert.