Heute wären Melanie und Karola 27 nd 25 Jahre alt. Etwa in diesem Alter war Monika Böttcher, als sie das erste Mal an Scheidung dachte. Sieben Jahre zuvor, 1978, hatte die Krankenpflegehelferin den Kfz-Schlosser Reinhard Weimar geheiratet - aus einer "Torschlusspanik" heraus, wie sie später schilderte. In dem kleinen Ort in Osthessen, in dem die meisten anderen Mädchen ihres Alters schon unter der Haube waren, hatte Böttcher Angst bekommen, "keinen mehr zu kriegen".
Die anfängliche "Sympathie" zu ihrem Mann wich jedoch schon bald einer völligen Entfremdung, die Ehe bestand nur noch aus "Essen und Wäschemachen". Im April 1986 lernt Monika Weimar den US-Soldaten Kevin Pratt kennen. Die Liebe zu ihm wird alles verändern. Wie "eine Lichtgestalt aus einer fremden Welt" habe der GI auf Weimar gewirkt, beschreibt der Vorsitzende Richter in dem letzten Prozess gegen sie den Einfluss des Amerikaners.
Weimar verfällt ihrem Geliebten. Um für die Beziehung frei zu sein, erstickt sie - so die Mehrheitsmeinung der Juristen - am 4. August 1986 ihre Töchter. Anschließend meldet sie die Kinder als vermisst. Zunächst glaubt die Polizei, sie könnten entführt worden sein. Eine große Suchaktion beginnt. Am 7. August werden die Leichen der Kinder gefunden.
Schnell fällt der Verdacht auf Monika Weimar. Doch die 28-Jährige bestreitet die Tat, gibt ihrem Ehemann die Schuld, der daraufhin ebenfalls festgenommen wird. Doch während Reinhard Weimar schon bald wieder in Freiheit ist, ergeht gegen seine Ehefrau Haftbefehl.
Im März 1987 befasst sich das Landgericht Fulda erstmals mit dem Fall. Gestützt auf Indizien verhängen die Richter im Januar 1988 die Höchststrafe gegen die Angeklagte - lebenslänglich.
Was folgt, ist ein jahrelanger juristischer Marathon aus Revisions- und Wiederaufnahmeanträgen. Im April 1997 scheint Monika Böttcher am Ziel: Das Landgericht Gießen spricht sie frei - aus Mangel an Beweisen. Doch der Urteilsspruch hält nicht lange. Im September 1999 steht Böttcher abermals vor Gericht, in Frankfurt am Main. Das dortige Urteil - wiederum lebenslänglich - bleibt bestehen.
Hätte Böttcher sich nach dem Tod der Kinder nicht in ein Lügengeflecht verstrickt, das Polizei und Richter in die Irre führte, hätten die Gerichte vielleicht ihre Darstellung geglaubt. Ihrer "Nachtversion" zufolge war sie in der Nacht zum 4. August im Anschluss an einen Disko-Besuch mit ihrem Geliebten nach Hause gekommen und hatte ihren Mann am Bett der toten Kinder gefunden.
Völlig benommen und verzweifelt von dem Anblick habe sie sich hingesetzt, während ihr Mann die Kinder aus dem Haus schaffte. Am nächsten Tag sei sie zu dem von ihm genannten Ablageort der Leichen gefahren, um ihre Kinder noch einmal zu sehen. Die Vermisstenanzeige und ihre ersten Angaben gegenüber der Polizei erklärte Weimar später damit, sie habe Mitleid für ihren Mann empfunden und die Schuld für den Tod auch bei sich gesucht.
Die Juristen wollten dies nicht glauben. Die Reaktion der Mutter auf den Anblick ihrer toten Kinder hielten sie für schwer nachvollziehbar. Noch stärker erschütterten jedoch Zeugen die "Nachtversion". Demnach waren die Kinder noch am Morgen des 4. August gesehen worden - also zu einem Zeitpunkt, an dem sie laut der Mutter längst tot waren. Dass Böttcher die Variante erst präsentierte, als der Verdacht auf sie selbst gefallen war, machte die Sache nicht besser.
Ende August 2000 zog der Bundesgerichtshof einen juristischen Schlussstrich unter den Fall. Die Richter bestätigten die lebenslange Freiheitsstrafe und Böttcher musste wieder ins Gefängnis. Inzwischen sind ihre Tage hinter Gittern gezählt. Zusammen mit den neun Jahren, die sie von 1986 bis 1995 im Gefängnis verbrachte, sind die 15 Jahre Haft - die bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe im Normalfall verbüßt werden müssen - abgelaufen.
Wann Monika Böttcher in Freiheit kommt, wollen weder die zuständigen Behörden noch ihr Anwalt sagen.