"Wir wollen eine öffentliche Kirche sein", sagt Heinrich Bedford-Strohm. Der 54-jährige, groß gewachsene Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern steht am Rednerpult im Dresdener Kongresszentrum. "Wir wollen uns in den öffentlichen Prozess einmischen und nicht bevormundend, sondern aus einer klaren geistlichen Motivation heraus zu den Fragen unserer Zeit reden."

Für seine Ausführungen erhält er Applaus - und Wählerstimmen. Denn am Dienstag wählten Synode und Kirchenkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) den bayerischen Landesbischof mit 109 von 125 abgegebenen Stimmen auf den höchsten Posten, den der deutsche Protestantismus zu vergeben hat: den des Ratsvorsitzenden der EKD. Zuvor war der bisherige Amtsinhaber, der frühere Rheinische Präses Nikolaus Schneider, zurückgetreten, um sich verstärkt um seine erkrankte Gattin kümmern zu können. Sein frei gewordenes Mandat im Rat der EKD erhielt der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo), Markus Dröge, der mit 119 von 133 abgegebenen Stimmen sogar ein noch besseres Ergebnis erhielt.

Vor der Synode sprach Bedford-Strohm von einem "neuen Aufbruch" in der Kirche. Schließlich komme die EKD nun in die "heiße Phase" des Reformationsjubiläums 2017: "Es soll ein großes Christusfest mit weitem ökumenischen und internationalem Horizont werden, bei dem wir die große Kraft des Evangeliums in der heutigen Zeit bezeugen wollen."

Doch Bedford-Strohm, der bedingt durch den Rücktritt Margot Käßmanns nun schon der dritte Ratsvorsitzende seit Beginn der Legislaturperiode ist, warnte auch vor überzogenen Erwartungen an seine Person. "Dass wir gerechtfertigt sind allein aus dem Glauben und nicht aus den Werken, gilt für jeden von uns ganz persönlich", zitierte er den Reformator Martin Luther. "Auch für mich."

Lebhaft verfolgt wurde die Wahl des Theologen auch in den sozialen Netzwerken. Denn Bedford-Strohm gilt in der Evangelischen Kirche als "Facebook-Bischof", der schon längst den Spitznamen "Padford" trägt. Egal, ob sich der Theologe in einem Flüchtlingslager im Irak oder zu einem Gespräch in der bayerischen Staatskanzlei aufhält: Der Tablet-PC, Facebook und Twitter sind immer mit dabei. So auch, als der Theologe im Herbst in den Irak reiste, um dann in mehreren Interviews für die Schaffung einer Schutzzone für syrische Christen und Jesiden einzutreten.

Deutlich wird Bedford-Strohm auch in der Debatte um die Beihilfe zum Suizid: Wo der bisherige Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider eher den seelsorgerlichen Einzelfall, der nach schwerer Krankheit sein Leben beenden wollte, in den Blick nahm und deswegen mit unscharf wirkenden Positionen an die Öffentlichkeit trat, äußert sich Bedford-Strohm klar und schnörkellos gegen jede "öffentliche Legitimation des Tötens".

Zu denen, die sich direkt nach der Wahl in die Schlange der Gratulanten einreihten, gehörte auch der Hoyerswerdaer Synodale Dirk Nasdala. "Ich bin froh, dass es geklappt hat und Bischof Bedford-Strohm unser neuer Ratsvorsitzender geworden ist", sagte Nasdala. "Was er zur Öffentlichkeit von Kirche sagte, ist genau das, was ich mir von ihm erhofft habe."