Ein dunkler Schatten lag über dem Weißen Haus: Fords Vorgänger Richard Nixon hatte sich heillos in der Watergate-Affäre verfangen und musste in Schande zurücktreten. Zeitgleich erlebten die USA die letzten Monate des desaströsen Vietnam-Kriegs. Ford stand vor der schwierigen Aufgabe, der tief verunsicherten Supermacht neues Selbstbewusstsein zu geben. "Unser langer nationaler Albtraum ist zu Ende", sagte er nach seiner Vereidigung.
Über Fords Karriere, die ihn bis auf die Posten von Vizepräsident und Präsident führte, liegt eine bittere Note. Er ist der einzige Politiker in der US-Geschichte, der die beiden höchsten Ämter ohne Votum des Wahlvolks erreichte. Vielmehr waren es dramatische Umstände, die ihn an die Staatsspitze katapultierten. Im Dezember 1973 nominierte Nixon den damaligen Führer der republikanischen Minderheitsfraktion im Repräsentantenhaus als Nachfolger von Vizepräsident Spiro Agnew, der wegen einer Finanzaffäre zurücktreten musste. Nixon selbst war damals schon wegen der Watergate-Affäre um die Bespitzelung politischer Gegner und fragwürdige Vertuschungsmanöver schwer in Bedrängnis.

Ohne Wahl an die Spitze
Den nächsten großen Karriereschritt vollzog Ford bereits acht Monate später: Nixon trat zurück, um einer Amtsenthebung zu entgehen. Als Vize rückte Ford automatisch an die Staatsspitze. Vier Wochen später traf er seine umstrittenste Entscheidung. Ford gewährte Nixon eine Amnestie für alle Straftaten, die dieser begangen haben könnte. Der Fall Nixon sei "eine amerikanische Tragödie, in der wir alle eine Rolle gespielt haben", sagte Ford in einer Fernsehansprache. Er müsse einen Schlussstrich ziehen, um dem Land weitere schmerzhafte Debatten zu ersparen. Eine komplette juristische Aufarbeitung der Affäre wurde dadurch aber unmöglich. Die scharfe Kritik an der Entscheidung begleitete Ford bis zum Ende seines Mandats.
In seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit hatte Ford Krise um Krise zu bewältigen. Am 30. April 1975 endete das Vietnam-Engagement der USA unter chaotischen Umständen. Die letzten US-Vertreter mussten mit dem Hubschrauber vom Dach der US-Botschaft in Saigon ausgeflogen werden, während in den Straßen der Stadt schon der Vietcong einrückte. Es war eine beispiellose Erniedrigung der Supermacht USA, an der Ford keine Schuld trug, die er aber als Präsident zu bewältigen hatte. Innenpolitisch hatte er einen schweren Stand. Die Konjunktur schwächelte, die Inflation stieg, und der von den Demokraten beherrschte Kongress behinderte reihenweise Fords Gesetzesinitiativen.

Niederlage gegen Carter
Nachdem Ford im Januar 1977 infolge der knappen Niederlage gegen Jimmy Carter das Weiße Haus verließ, ging er als Übergangsstaatschef in die Geschichtsbücher ein. Diese Bücher würden nun einen Präsidenten namens Leslie Lynch King Junior verzeichnen, hätten sich Fords Eltern nicht scheiden lassen. Denn unter jenem Namen war er am 14. Juli 1913 geboren worden. Nach der Wiederheirat der Mutter wurde er vom Stiefvater adoptiert und bekam dessen Namen, Gerald Ford. Er studierte Jura an der Elite-Uni Yale, diente im Zweiten Weltkrieg in der Marine und wurde 1948 ins Repräsentantenhaus gewählt.
1948 heiratete er das Ex-Mannequin Betty. Die elegante Frau verlieh dem eher spröden, linkischen Ford etwas Glanz. Bis zuletzt blieb sie an seiner Seite. Der Öffentlichkeit blieben freilich auch die dunklen Seiten nicht verborgen. Betty litt lange an Alkoholismus, den sie nach jahrelangem Kampf besiegte. Im Jahr 1982 gründete sie die Betty-Ford-Klinik.
Um Gerald Ford wurde es nach seinem Ausscheiden um das Amt still. Ein letztes Mal machte er politisch von sich reden, als er sich im April hinter den viel kritisierten und inzwischen zurückgetretenen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld stellte.