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"Ein erheblicher Rückschlag"

Rainer Wendt
Rainer Wendt FOTO: dpa
Durch den Suizid des Terrorverdächtigen Dschaber Al-Bakr könnten den Sicherheitsbehörden nach Ansicht des Chefs der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, wertvolle Informationen für die Terrorabwehr in Deutschland entgehen. Politisch verantwortlich sei der sächsische Justizminister, so Wendt im Gespräch mit der RUNDSCHAU: Herr Wendt, was nutzt die ständige Beobachtung eines Inhaftierten, wenn derjenige trotzdem Suizid begehen kann? Ständige Beobachtung heißt nicht, dass ständig jemanden neben einem Verdächtigen sitzt.

Das kann durchaus auch die Überprüfung des Zelleninneren in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen sein. Das wird jeweils einzeln angeordnet. Ausschließen kann man solche Ereignisse wie den Suizid des Terrorverdächtigen also nicht.

Aber muss man nicht von einer unglaublichen Pannenserie in Sachsen sprechen?
Na ja, manches wurde als Panne bezeichnet, was dann am Ende keine war. Beispielsweise war die gescheiterte Festnahme in Chemnitz keine Panne, sondern dafür gab es nachvollziehbare Gründe. Über eins darf man sich keine Illusionen machen: Wir sind in den vergangenen Monaten schon mit unglaublich vielen Verschwörungstheorien konfrontiert worden, und jetzt werden neue dazu kommen.

Das bedeutet?
Es muss weiter lückenlos aufgeklärt werden. Wir müssen detailliert wissen, was passiert ist und wo mögliche Versäumnisse liegen. Die Frage nach der politischen Verantwortung ist dabei durchaus berechtigt. Und die liegt beim sächsischen Justizminister.

Ist das alles ein Rückschlag für die Terrorabwehr?
Eindeutig ja. Von Al-Bakr konnte man sich im Rahmen der Vernehmungen möglicherweise Informationen erhoffen, die wertvoll hätten sein können. Beispielsweise, wie er gesteuert wurde, welche Kommunikationswege von ihm genutzt wurden, und ob es Mitwisser gegeben hat. Auch für die Aufklärung seiner möglichen Attentatspläne ist das ein erheblicher Rückschlag. Mit Rainer Wendt

sprach Hagen Strauß