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| 11:39 Uhr

Ein elektronisches Mega-Auge zieht in den Cottbuser Bahnhof ein

Nach dem Fund einer Koffer-Bombe im Dresdner Hauptbahnhof drängt Bundesinnenminister Otto Schily auf eine Verschärfung der Video-Überwachung. Von Jürgen Becker

Und die Bahn macht jetzt ernst: Ab dem Jahr 2005 will sie auch auf den Bahnhöfen in Cottbus und Potsdam die Fahrgäste mit elektronischen Augen beobachten.
„Nach und nach könnten dann auf weiteren Bahnhöfen in der Region Notrufsäulen mit Kameras installiert werden, die von Cottbus aus kontrolliert werden“ , sagt der brandenburgische Bahnsprecher Andreas Fuhrmann. „Welche Bahnhöfe das sein werden, hängt von der Finanzierung ab. Das stimmen wir mit dem Land ab.“
Einen Prototypen für die künftige Cottbuser „Verkehrszentrale“ , wie die Bahn das Ganze nennt, gibt es bereits. Es ist der Aachener Hauptbahnhof. Dort steuern und überwachen Mitarbeiter schon heute zentral alle Informationen, die sie von den 75 Notrufsäulen und 135 Kameras, die auf 22 Bahnhöfen in der Region installiert worden sind, erhalten.
Auch in Dresden, Chemnitz und Leipzig setzt die Bahn schon Kameras zur Überwachung der Bahnhöfe ein. Aus der Empfangshalle in Hoyerswerda gehen ebenfalls ständig Live-Bilder in der Dresdner 3-S-Zentrale der Bahn ein. Registrieren die Mitarbeiter auf den Monitoren eine Straftat, alarmieren sie die Polizei.
Jetzt will die Bahn diese 3-S-Zentralen, von denen es bundesweit 23 gibt, nach und nach umrüsten. 33 weitere sollen zusätzlich nach dem Aachener Vorbild neu entstehen. Allein das Land Brandenburg, der Bund und die Bahn wollen in den nächsten vier Jahren 110 Millionen Euro in märkische Bahnhöfe investieren (die RUNDSCHAU berichtete).
Sachsens Bahnsprecherin Helga Kuhne sonnt sich in den bisherigen Erfolgen der Video-Überwachung. „Seit der Installation der Kameras im Februar 1998 gab es zum Beispiel in Hoyerswerda keine Vorfälle mehr.“ Ihr brandenburgischer Kollege schwärmt. „Durch die Kameras können wir Straftaten vereiteln. Fällt eine Flasche runter, können wir das Service-Personal sofort losschicken.“
Doch auch die Video-Überwachung stößt schnell an Grenzen. Bei der Suche nach dem Täter, der die Koffer-Bombe im Dresdner Hauptbahnhof abstellte, hat sie nichts gebracht. Denn an jenem Tag flimmerten zwar Live-Bilder aus dem Dresdner Bahnhof in die Überwachungszentrale. Auf Aufnahme drückte aber niemand, weil keiner Verdacht geschöpft hatte. „Wir dürfen nur anlassbezogen auf Video aufzeichnen“ , erklärt Helga Kuhne.
Daran hat der Bombenfund in Dresden nichts geändert. „Wir sind gegen eine flächendeckende Video-Überwachung auf Bahnhöfen“ , sagt Anja-Maria Gardain, die als Sprecherin des Berliner Datenschutzbeauftragten bundesweit für die Bahn zuständig ist. „Und dass ein gesamter Bahnsteig von vorne bis hinten den ganzen Tag gefilmt wird, verbietet das Datenschutzgesetz.“