Manchmal ist Peer Steinbrück wie Lucky Luke. Er zieht schneller als sein Schatten. Schießt sein loses Mundwerk drauflos, müssen er und die SPD die Worte hinterher oftmals wieder mühsam einfangen. Nun aber, nach dem rot-grünen Wahlsieg in Niedersachsen, hat der SPD-Kanzlerkandidat offenbar verstanden, dass die Worte desjenigen, der Bundeskanzler werden will, eine andere Resonanz haben. Die Kritik-Karawane ist derzeit weitergezogen zu FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle.

Nach Wochen der Selbstverteidigung hat Steinbrück nun vor Journalisten im Willy-Brandt-Haus skizziert, wie er sich das Duell mit der Kanzlerin vorstellt. Er würde gerne mindestens zweimal mit rhetorischem Colt zum TV-Streit ausrücken. Doch Merkel lässt ihn prompt abblitzen.

Wie 2005 und 2009 ist sie nur zu einem Showdown bereit. Der 66-Jährige fürchtet, dass Merkel wieder einen Sphinx-Wahlkampf machen könnte: schwer zu greifen und Themen der SPD kopierend. 2009 kam es beim TV-Duell zu einer "4:2-Lösung" mit vier Fragestellern und zwei Kandidaten. Das Aufeinandertreffen brachte Vorteile für Frank-Walter Steinmeier, was die SPD aber auch nicht vor dem 23-Prozent-Debakel bei der Bundestagswahl bewahrte.

Steinbrücks große Stärke ist das blitzschnelle Denken, sein Wortwitz, ein TV-Duell könnte ihn im direkten Vergleich mit Merkel nach vorn bringen. Aber eine flapsige Bemerkung könnte wiederum auch alles vermasseln.

Merkel behandelt Steinbrück bisher wie Luft. Der fürchtet, dass sie präsidial lieber auf Gipfeln und roten Teppichen glänzen wolle, statt sich der inhaltlichen Debatte zu stellen. Der frühere Bundesfinanzminister will daher frühzeitig Merkel dazu treiben, dass sie nicht ihre Strategie vom Wahlkampf 2009 wiederholen kann.

Es hat sich für Merkels damalige Taktik unter Wahlforschern das Wort der "asymmetrischen Mobilisierung" herauskristallisiert. Durch das Ausweichen vor kontroversen Themen, inhaltlichen Verwischungen und vagen Positionierungen soll ein Duell vermieden werden. So soll der Wähler des politischen Gegners von den Wahlurnen ferngehalten werden.

"Frau Merkel versucht jetzt wieder einen Neustart mit der Lohnuntergrenze, und plötzlich spielt auch das Thema Mieten eine Rolle", sagt Steinbrück. Und nun diskutierten auch CDU/CSU plötzlich über ein Trennbankensystem.

Er hatte schon vor seiner Nominierung vorgeschlagen, dass das Investmentbanking vom Privatkundengeschäft getrennt werden müsse, damit nicht immer der Steuerzahler bei Schieflagen von Banken mit Milliardensummen haften muss. "Zu unserer Freude hecheln sie uns hinterher", sagt er.

Aber eine Lohnuntergrenze sei etwas anderes als ein Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde, die Lebensleistungsrente bringe nur minimale Aufstockungen, während die SPD für langjährige Einzahler eine Solidarrente von 850 Euro wolle. Und eine Flexi-Quote sei eben keine verbindliche Frauen-Quote. "Da werden viele Etiketten auf Flaschen geklebt, in denen nichts drin ist", sagt Steinbrück. Egal, was am Ende rauskommt, eines steht für ihn fest: Er will Rot-Grün und geht in keine Große Koalition mehr unter Merkel.