Die Finanzierung der Kosten in Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro aus dem Aufbaufonds Fluthilfe ist für sie erst die halbe Miete, ein Schritt auf einem langen Weg. Noch immer harren zahlreiche Gemälde in der Sempergalerie, antike Skulpturen und Plastiken im Albertinum ihres Abtransports. Der Umzug in vorbereitete Räume in der früheren Landesbibliothek läuft langsam. Die Interimsdomizile waren für die Museumsexperten nie das Ende vom Lied.
„Ich kann nicht verantworten, mit einem Cranach in die alten Depots zurückzugehen“, sagte Kunstsammlungs-Generaldirektor Martin Roth schon kurz nach dem Hochwasser. Seit dem kämpfen er und seine Museumsdirektoren um ein dauerhaftes Domizil für die rund 4650 Bilder und rund 11 000 Objekte aus der Skulpturensammlung. „Wo Wasser gestanden hat, kann nicht wieder Kunst gelagert werden“, sagte der Galeriedirektor Alte Meister, Harald Marx, die Situation.
Hatte das Land sich doch noch im Februar für die Forderung der Experten auch aus dem Ausland taub gestellt und daran festgehalten, die Bilder wieder in die alten statt in ein neues Depot zu hängen. „Der Freistaat kann das nicht bezahlen“, hieß es damals. Nach einer erfolgreichen Auktion zu Gunsten der Dresdner Sammlungen in Berlin kam jedoch Schützenhilfe von ganz oben: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) stellte die Finanzierung eines solchen Ersatzdepots aus zusätzlichen Bundesmitteln in Aussicht.
„Das Geld wird anderweitig verwendet“, musste Rößler wenige Monate später verkünden. Dafür aber rang er dem Bund die Zustimmung ab, dass der Freistaat das Depot aus dem Aufbaufonds Fluthilfe bezahlen kann. Damit ist der Kampf aber nicht ausgestanden. Die anstehende Entscheidung über den Standort für den Neubau bietet ebenso Konfliktstoff wie die Nutzung der alten Depots. „Sammeln, Bewahren, Erforschen und Erschließen sind eins“, mahnte Marx. Keine dieser Aufgaben dürfe vernachlässigt werden, sagte er.
Neben dem Problem der Gefährdung durch notwendige Transporte der unschätzbaren Werte sehen die Museumsdirektoren die Gefahr von Beschädigungen. Bisher wurden Gutachten für insgesamt sechs Standorte erstellt, darunter das Albertinum, in dem sich drei der Sammlungen befinden. „Das Albertinum schnitt dabei nicht sehr gut ab“, sagte Rößler und dämpfte damit die Hoffnungen der Museumsleute. Er hält den Standort vor allem deshalb für ungeeignet, weil das Albertinum nicht komplett hochwassersicher ist. „Wir müssen aber die total sichere Gewähr haben, dass der neue Standort das absolut ist.“
Alternativen befinden sich allesamt weiter entfernt, eine sogar zwischen Gefängnis, Mülldeponie und Polizeipräsidium. „Das ist eine ganz besonders sichere Gegend“, meinte Rößler. „Zum Albertinum gibt es keine Alternative“, beharrte dagegen Museumschef Roth. „Wenn man sich vorstellt, was es kostet, permanent Kunst zu transportieren, dann ist dieser Standort ideal und das Beste.“

Hintergrund Kunstschätzedepot
 Der Wunsch nach einem hochwassersicheren Depot ist nicht nur angesichts des Aufwandes verständlich, mit dem die durch Feuchtigkeit beschädigten Kunstwerke derzeit mühevoll restauriert werden. Seit dem Krieg leiden die Museen unter Platzmangel, ein Depot für die Bestände der Sammlungen ist dringend nötig. „Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt“, kommentierte denn Kunstsammlung-Generaldirektor Martin Roth die finanzielle Zusage des Bundes.