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Ein Cottbuser steht an der Spitze der neuen Polizeidirektion Südbrandenburg

Wenig Schlaf und viel Humor. Sven Bogacz leitet die Regionaldirektion Süd/Cottbus. Seine Zuständigkeit reicht bis zum neuen Großflughafen Schönefeld. Foto: Behnke
Wenig Schlaf und viel Humor. Sven Bogacz leitet die Regionaldirektion Süd/Cottbus. Seine Zuständigkeit reicht bis zum neuen Großflughafen Schönefeld. Foto: Behnke FOTO: Behnke
Cottbus. Sven Bogacz hat in seiner Polizeilaufbahn immer wieder Herausforderungen gesucht. Jetzt steht er vor der vermutlich größten. Der Cottbuser setzt als Direktionschef in Südbrandenburg die Polizeireform praktisch um. Von Simone Wendler

Die Umzugskartons stehen noch in der Ecke. Vor zwei Wochen hat Sven Bogacz im Gebäude des bisherigen Schutzbereiches Cottbus/Spree-Neiße sein neues Amt angetreten. Der 47-Jährige ist Leiter der Polizeidirektion Süd, einer Direktion, die noch im Entstehen ist und von der Landesgrenze im Süden bis zum neuen Flughafen in Schönefeld reicht.

Seit einem halben Jahr hat ein Aufbaustab im Rahmen der Polizeireform dafür die Weichen gestellt. "Was ich hier übernommen habe, ist klasse", lobt Bogacz dessen Arbeit. Jetzt muss er sie zu Ende bringen. Priorität hat dabei für ihn die Auswahl der leitenden Mitarbeiter: "Die Unruhe und Ungewissheit unter den Kollegen muss beendet werden."

Bogacz selbst hatte wenig Zeit, sich auf seinen neuen Job einzustellen. Nur zwei Tage vor seiner Ernennung an einem Freitag erfuhr er von der Entscheidung für ihn. Am Montag darauf trat er den Posten in Cottbus, seiner Heimatstadt, an.

Wer Bogacz trifft, merkt schnell, dass der ein ausgesprochen humorvoller Mensch ist, der aus dem Stegreif auch Polizistenwitze erzählen kann. Ein Sonntagskind sei er und ein Wunschkind: "Auch wenn ich nach zwei Brüdern eigentlich ein Mädchen werden sollte." In seinen Zeugnissen habe gestanden, dass er aufgeweckt sei und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden habe.

Trotzdem wird er erst über einen Umweg Polizist. Aus gesundheitlichen Gründen muss er die Ausbildung zum DDR-Militärpiloten abbrechen. Als Polizist fängt er in Cottbus ganz unten an: Streifendienst im Revier Mauerstraße. Nach zwei Jahren wechselt er zur Kriminalpolizei.

Dann geht die DDR unter und Bogacz muss sich entscheiden, wie es mit ihm weitergehen soll. Er bewirbt sich beim Staatsschutz, bekämpft den damals offen aufflammenden Rechts-

extremismus in der Region. Es ist der Anfang einer Bilderbuch-Karriere.

Bogacz absolviert die Ausbildung für den höheren Dienst, wird Leiter der Stabstelle im Schutzbereich Elbe-Elster. 2001 übernimmt er die Leitstelle im Polizeipräsidium Cottbus und löst sie mit dem Ende des Präsidiums auch wieder auf. "Alle Kollegen sind damals in Positionen untergekommen, die ihnen Spaß machen", sagt er mit spürbarem Stolz. Seine Art mit Mitarbeitern umzugehen, hält er für einen der Gründe, warum er es bis zum Polizeidirektor gebracht hat: "Ich beteilige die Kollegen. Bei jeder Problemlösung gibt es Gestaltungsspielraum."

Bogacz geht nach dem Ende der Cottbuser Leitstelle als Schutzbereichsleiter zunächst zurück nach Elbe-Elster, später nach Brandenburg. Nach dem ruhigen Elbe-Elster-Land wird er dort mit dem Potsdamer Umland, einem Wasserschutzbereich und wichtigen Teilen des Berliner Autobahnringes vor neue Herausforderungen gestellt.

Seinen Lebensmittelpunkt in Cottbus hat der Vater von zwei inzwischen erwachsenen Kindern nie aufgegeben. Nach Elbe-Elster ist er gependelt. In den drei Jahren in Brandenburg/Havel hat er mit seiner Frau eine Wochenendehe geführt. Die Familie habe ihm die Entscheidung leicht gemacht, sich zurück nach Cottbus zu bewerben.

Die Direktion Süd empfindet Bogacz als neue Herausforderung. Den Polizeieinsatz bei der Risiko-Begegnung Energie Cottbus gegen Dynamo Dresden am vorigen Freitag hat er gleich selbst geleitet: "Ich will wissen, wovon hier die Rede ist, wenn es um Fußball geht."

Sven Bogacz bezeichnet sich selbst als "nachtaktiv". Sechs Stunden Schlaf seien bei ihm viel. So bleibt Zeit für seine Hobbys: Lesen und Musik, am liebsten irische Folklore. Der Polizeidirektor spielt Gitarre und Kollegen sagen ihm nach, dass er auch gut singen könne. Vor dem Fernseher verbringt er nur wenig Zeit: "Meine Frau ist Kinderkrankenschwester und schaut keine Krankenhausfilme und ich keine Krimis, das engt das Programm erheblich ein."

Sven Bogacz hat einen Grundkurs in Polnisch absolviert, wobei ihm sorbische Wurzeln mütterlicherseits hilfreich waren. Vielleicht erleichtert ihm das den Kontakt zu den polnischen Kollegen im Grenzgebiet seiner neuen Zuständigkeit. Unmut über zunehmende Diebstähle in Grenzorten, wie kürzlich vom Gubener Bürgermeister vorgebracht, könne er verstehen. Doch es sei schon vieles an polizeilichen Gegenmaßnahmen passiert: "Das braucht Geduld."

In den kommenden Jahren wird Bogacz in seiner Direktion mit abnehmender Personalstärke klarkommen müssen. Fest steht dabei für ihn, es darf keine extensive Ausweitung der Arbeit geben: "Die verbleibenden Kollegen dürfen nicht einfach verschlissen werden." Andere Abläufe und neue Technologien müssten fehlende Köpfe kompensieren.

Ein Foto, das Bogacz schon an seine Dienstzimmerwand gehängt hat, zeigt ein Projekt, das er nicht erfolgreich zu Ende bringen konnte. Der Cottbuser war verantwortlich für die Erprobung des Tragschraubers, eines Ultraleichtflugzeuges, das die Polizeihubschrauber ergänzen sollte. "Fachlich war das in Ordnung, aber politisch letztendlich nicht gewollt", bedauert er.

Wirklich belastend an seinem Job empfindet Sven Bogacz nur das Ohnmachtsgefühl, das ihn jedes Mal befällt, wenn er an einen Tat- oder Unfallort kommt und es Tote gegeben hat. "Da ist man immer wieder fassungslos, daran gewöhnt man sich nie."