Nach der spanischen Verfassung bekommt der Monarch aus dem Staatshaushalt jedes Jahr eine bestimmte Summe für sich und die Angehörigen der königlichen Familie zugeteilt. Mit diesem Geld - im laufenden Jahr sind es umgerechnet 8,3 Millionen Euro - darf der König anstellen, was er will. Darüber muss er weder Regierung noch Parlament Rechenschaft ablegen. Die kleineren Linksparteien hatten im Parlament mehrfach Aufklärung über die königlichen Finanzen verlangt, aber ihre Anfragen wurden von den großen Parteien zurückgewiesen. Nun ergriff der König selbst die Initiative. Er ernannte von sich aus einen "Buchhalter", der die Ausgaben des Königshauses kontrollieren soll. "Juan Carlos wird der erste Monarch in Spaniens Geschichte sein, dessen Buchhaltung überwacht wird", schreibt die Zeitung "El Mundo".
Damit ist das Tabu der königlichen Finanzen allerdings noch nicht gefallen. Der Rechnungsprüfer Seiner Majestät - ein 72-jähriger, pensionierter Finanzexperte namens Oscar Moreno Gil - wird nämlich nicht das Parlament oder die Öffentlichkeit über die Ausgaben des Palastes informieren, sondern nur den Monarchen selbst.
Die Ernennung eines Buchprüfers sei ein "interner Vorgang", mit dem die Arbeit des Königshauses effektiver gemacht werden soll, heißt es im Palast.Die Presse geht jedoch davon aus, dass hinter der Initiative mehr steckt als eine bürokratische Maßnahme. Der Fraktionssprecher der Katalanischen Linksrepublikaner im Madrider Parlament, Joan Tardà, meint: "Damit wird erstmals anerkannt, dass die bisherige Regelung nicht normal war." Die Monarchie-Gegner hatten wiederholt Anstoß daran genommen, dass der König "über 100-mal so viel Geld bekommt wie der Ministerpräsident". Dabei gilt das spanische Königshaus als sparsam. Nach einer Aufstellung der Zeitung "El Economista" geben die Briten, Monegassen, Schweden oder Norweger mehr für ihre Monarchen aus als die Spanier.
Juan Carlos konnte mit der Einsetzung eines Finanzprüfers die Debatte über seine Ausgaben jedoch nicht stoppen. Das Königshaus könnte ruhig einen Schritt weitergehen, befand die Zeitung "El País". "Es sollte sich an den Monarchien in anderen Ländern ein Beispiel nehmen und das Parlament über seine Finanzen unterrichten."