Mit EU-Fördermitteln wird das historisch einmalige Gehöft, auf dem einst der sorbische Volksdichter Hanso Njepila (1761 - 1856) lebte, derzeit umfassend und denkmalgerecht rekonstruiert. Manfred Nickel, Vorsitzender des Vereins Njepila-Hof, ist oft auf der Baustelle anzutreffen. "Wenn es einer verdient, herausgehoben zu werden, dann er", weiß der "Finanzminister" des Vereins Njepila-Hof, Rudi Krauz. "Er hat so viel Zeit wie kein anderer in das Projekt gesteckt. Auch seine Frau hat eine Menge Verständnis für Manfreds Leidenschaft aufbringen müssen", fügt der ältere Herr augenzwinkernd hinzu. Er ist wie Manfred Nickel ein Bewahrer sorbischer Traditionen und Bewunderer Hanso Njepilas.
Im Jahr 1806 hatte der sorbische Volksdichter das Gebäude mit eigenen Händen aus Backsteinen, Holz, Lehm und mit einfachsten Hilfsmitteln erbaut. Manfred Nickels Augen leuchten, wenn er davon erzählt. Er zeigt auf mächtige Deckenbalken. "Jeden einzelnen musste Njepila mit seinem Ochsenkarren heranschaffen", sagt er bewundernd. Fast liebevoll streicht er über dellige Lehmwände und zeigt auf große Feldsteine. "Jeder einzelne hat eine Geschichte", weiß der schlanke, weißhaarige Mann. "Unter den armen Bauern in unserer Region war Njepila zu seiner Zeit eine Ausnahme", erklärt Manfred Nickel: In einigen Wintermonaten hat er versucht, das Lesen und Schreiben zu erlernen. Im Alter schrieb er über das Leben in seiner Heimat in dem bis heute einzigartigen sorbischen Dialekt unserer Schleifer Region", erzählt Nickel.
Bereits im Jahr 1987 hatte Manfred Nickel mit Gleichgesinnten versucht, das in seiner Vierkantbauweise einmalige Gehöft des Dichters zu sanieren. "Es fehlte Geld, die Eigentumsverhältnisse waren nicht geklärt", erinnert er sich. "Wenigstens haben wir immer versucht, das Dach zu flicken", sagt der 65-jährige Rohner, "damit nicht alles weiter verfällt."
Der zweite Anlauf 1999 gelang. Zwar war es mühselig, an Finanzmittel zu kommen. Dennoch lud der neu gegründete Verein bereits im Herbst 2000 zu seinem ersten Hoffest ein. "Das war ein Riesenerfolg", schwärmt Manfred Nickel breit lächelnd. "100 Stühle hatten wir vor die Bühne gestellt und 900 Gäste kamen und erlebten ein buntes Programm der Gruppen unserer Schleifer Region und der Schulkinder." Fortan gab es jedes Jahr ein Hoffest der sorbischen Traditionen. Hochzeit und Ernte waren Themen. In diesem Jahr, zu seinem 200-jährigen Bestehen des Hofes, wird am 23. und 24. September das Leben des Dichters im Mittelpunkt stehen. "Wie immer wirken viele Akteure mit", fügt Nickel hinzu. "Die Zusammenarbeit ist unser Erfolgsrezept." Er hofft, dass sich dem Verein in den nächsten Jahren auch jüngere Mitglieder fest anschließen, die bislang oft fleißig mitarbeiten.
Er selbst sei, wie er sagt, "von Jugend an in die gemeinnützige Arbeit hineingewachsen". Beizeiten in der Dorfjugend aktiv, wurde er mit 18 deren Vorsitzender. Manfred Nickel erlernte den Beruf eines Elektroinstallateurs und war fortan automatisch bei allen möglichen Projekten ein begehrter Helfer. Kindergarten, Schule, Dorfkonsum, Feuerwehr - an allen größeren Projekten des Dorfes hat Manfred Nickel nach Feierabend unentgeltlich mitgearbeitet. "Es war oft schwer, etwas im Ort zum Besseren zu verändern. Das Geld vom Staat musste erkämpft werden. "Also hieß es, erfinderisch sein und fleißig", erinnert er sich.
Manfred Nickels Stimme vibriert zwischen Wehmut und Zorn, wenn die Sprache auf den nahen Tagebau Nochten kommt. Auch Teile von Rohne sind Bergbau-Vorranggebiet. Erst 2015 soll entschieden werden, ob die Kohle unter der Schleifer Region gefördert wird. Manfred Nickel hofft, dass die Vernunft in der Politik die Oberhand gewinnt und Alternativen gefunden werden. "Damit unsere einmalige Schleifer Region mit ihrem Schatz an sorbischer Kultur und Traditionen unverletzt bleibt."

Steckbrief "Ich würde die Braunkohle wegzaubern"
Geboren am 1. Februar 1943 in
Rohne.
Familie: Ehefrau Monika (58), Kinder Mario (39), Manuela (38), Maik (36).
Beruf: Elektroinstallateur, Rentner.
Größte Niederlage: Dass es mir nicht gelungen ist, bereits 1987 die Rekonstruktion des Njepila-Hofes energisch voranzutreiben.
Größter Erfolg: Es ist uns gelungen, den Njepila-Hof bekannt zu machen und er ist angenommen worden.
Zuletzt geärgert habe ich mich über Uneinigkeit. Denn wer etwas erreichen will, muss gemeinsam handeln.
Zuletzt gefreut habe ich mich riesig, als der EU-Fördermittelbescheid für unser Projekt bewilligt wurde.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich die Braunkohle unter dem Boden unserer Region wegzaubern.
Lebensmotto: Wer vorangeht, kann vieles bewegen und andere mitziehen.
Vorbilder: Hanzo Njepila - ein bewundernswerter Rohner, der Schriften hinterlassen hat, die Beleg sind für die Sprache der Schleifer Sorben.
Was ich noch sagen wollte: Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen Angefangenes fortführen. Und ganz wichtig: Vielen Dank für das Verständnis meiner Frau.