Und doch schafft es der Berliner Bariton, mit einer besonderen Mischung aus Steifheit, Charisma und leiser Ironie das Publikum zu begeistern. Die Tourneen mit seinem Palast Orchester sind im In- und Ausland regelmäßig ausverkauft. Am heutigen Mittwoch wird der unaufgeregte Star 50 Jahre alt.

"Ich habe keinen Grund, mich zu bejammern, mir geht's besser denn je", sagt Raabe. "Stimmlich bin ich auf der Höhe wie nie zuvor. Und dann kommt im Frühjahr unser neues Album heraus - da hab ich gar keine Lust, nach hinten zu blicken." Das neue Album "Für Frauen ist das kein Problem" entstand wie das vorige in Zusammenarbeit mit der Popmusikerin und Produzentin Annette Humpe (Ich + Ich). Es erscheint Mitte Januar 2013 und versammelt 13 neue Songs des erfolgreichen Duos.

Wie Raabe (eigentlich Matthias Otto) zur Musik kam, weiß er selbst nicht so genau. "Ich habe schon angefangen zu singen, als ich Messdiener in Westfalen war und bei den Pfadfindern", erzählt er. "Wenn es da so bunte Abende gab, habe ich den Zylinder meines Vater rausgekramt und losgelegt." Während seines Gesangsstudiums in Berlin gründet er 1986 mit zwölf Freunden von der Musikhochschule das Palast Orchester, das sich in den Folgejahren von einem Berliner Geheimtipp zum international anerkannten Show-Event entwickelt.

Höhepunkte sind eine Tournee nach Israel und ein umjubelter Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall - der Ritterschlag für jeden Musiker. Seinen Durchbruch hatte der staatlich geprüfte Opernbariton 1992 mit dem selbstkomponierten und elegant vorgetragenen Lied "Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich". Ansonsten aber konzentriert er sich auf die Schlager der 20er- und 30er-Jahre, die durch die Comedian Harmonists berühmt wurden.

Durch seinen unterkühlten, staubtrockenen Vortrag gewinnen Evergreens wie "Der kleine grüne Kaktus" oder "Irgendwo auf der Welt" einen ganz neuen Witz. Mehr als 500 solcher Stücke hat das Orchester inzwischen im Reper toire.