Seit dem Putsch der Armee Anfang 1992 war Algerien Schauplatz des schlimmsten Blutvergießens zwischen den Sicherheitskräften und extremistischen islamistischen Gruppen gewesen. Mit eingeleiteten Versöhnungsinitiativen, einer Amnestie für Terroristen und stark autoritärer Hand hat Bouteflika das ölreiche nordafrikanische Land ein Stück weit beruhigt und leistungsfähiger fürs 21. Jahrhundert gemacht. Heute wird der erfahrene Staatspräsident 70 Jahre alt.
Die nationale Versöhnung, die Bouteflika nach seiner Wahl 1999 ausrief, steht ebenso weiterhin auf der Tagesordnung wie der langsame Weg Algeriens zur Demokratie. Soziale Unruhe bleibt unübersehbar, und das nicht nur unter den Berbern der Kabylei. Und auch der Terror hält - abgeschwächt - an, vor allem seit algerische Islamisten sich stärker an das Al-Qaida-Netz anlehnen. Der Taktiker Bouteflika versucht die Integration des Muslime und ihrer politischen Vertreter und möchte die Verfassung des Maghreb-Staates ändern, um über 2009 hinaus am Ruder bleiben zu können. Seit Dezember 2005 wirft allerdings eine in Paris behandelte schwere Magenerkrankung die Frage nach seinem wirklichen Befinden auf.

Hoffnungsträger enttäuschte
Von manchen nach seiner Wahl im April 1999 als Hoffnungsträger für einen Neuanfang angesehen, enttäuschte Bouteflika jene, die Algerien auf einem Pfad zu deutlich mehr Demokratie sehen wollten. Der in Paris im Exil lebende Autor Hichem Aboud beschrieb, wie sich die Generäle entschlossen hätten, "die Karte Bouteflika zu spielen" - er sei der Richtige gewesen, um die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen und das Land international glänzend dastehen zu lassen. Bouteflika schaffte es dann, diese Militärs auf Distanz zu halten und sein Amt nicht zum Schleudersitz werden zu lassen - in Algerien eine Leistung.
Der kleinwüchsige Mann mit großem rednerischen Talent war immer einer der jüngsten seiner Klasse gewesen, ehrgeizig und erfolgreich. 19-jährig brach er ein Studium ab, trat der Befreiungsarmee bei und kämpfte gegen die damalige Kolonialmacht Frankreich. Nach der Unabhängigkeit 1962 wurde er Sportminister und dann im Alter von nur 26 Jahren der jüngste Außenminister der Welt. Später unterbrach eine Affäre um Veruntreuung von Staatsgeldern für einige Zeit die Karriere.
Als Präsident vergab Bouteflika wichtige Ämter vor allem an die "Dinosaurier" aus der Zeit der früheren Einheitspartei FLN. Das Parlament dient als Vollzugsorgan für Gesetze der Regierung. Doch die Spirale der Gewalt drehte sich langsamer, nachdem in den Jahren des Bürgerkriegs etwa 150 000 Menschen getötet wurden. Als sich 1992 bei den ersten freien Wahlen ein Sieg der Islamistischen Heilsfront (FIS) anbahnte, verhinderte die Armee abrupt einen islamischen Gottesstaat.

Für Zukunft gewappnet
Bouteflika hatte es zunächst schwer, in dem Gedränge rund um die Machtzirkel beachtet zu werden. Er ließ sich dann im April 2004 mit der enormen Mehrheit von 84,99 Prozent für fünf Jahre im Amt bestätigen und Ende September 2005 mit einem Amnestie-Referendum den Weg der nationalen Versöhnung weiter ebnen. Trotz schwerer sozialer Probleme könnte Algerien jetzt besser für die Zukunft gewappnet sein.